Stammverdickung bei einem Bonsai

Ein Alters- und Qualitätsmerkmal vieler hervorragender Bonsai ist ein ansehnlicher und dicker Stamm. Ein dicker Stamm suggeriert ein hohes Alter.

Damit ein Baum bzw. Bäumchen bereits in noch relativ jungen Jahren reif und erwachsen aussieht, wird man meist in den jungen Jahren eines Baumes der Gestaltungsschwerpunkt auf eine schnelle Stammverdickung legen.

Wer sich diese Zeitspanne ersparen will wird sich einen Pre-Bonsai aus einer Bonsaigärnterei kaufen der bereits über Jahre entsprechend auf Stammverdickung und reichliche Verzweigung im unteren Bereich gepflegt wurde. Daraus kann man dann in den nächsten Jahren den Charakter des Baumes durch schneiden und drahten herausarbeiten.

Für die ganz Geduldigen ist aber das erziehen eines Jünglings oft spannender. Zum einen kann man so eine vielleicht gewünschte Stilart besser steuern und lernt so einiges über die Eigenheiten dieser Baumart kennen und kann dann auch dieses Wissen später in der Feingestaltung gezielt nutzen.

Im Prinzip ist es relativ einfach!
Ich werde hier einfach mal zwei mögliche Methoden erläutern. Damit ein Stamm schneller dicker wird, muß man ihn einfach wachsen lassen und dabei mit reichlich Nährstoffen, inbesondere Stickstoff versorgen!

a) Man pflanzt den Baum frei aus. Im Garten oder auf einem Feld. Hier können sich die Wurzeln schnell entwickeln und viele Nährstoffe aufnehmen und er treibt wie verrückt aus. Bei dieser Vorkultivierung muß man je nach Baumart und Wachstum etwa 3-5 Mal im Jahr die Austriebe zurückschneiden! Zwar wird durch das zurückschneiden vorerst das Dickenwachstum unterbrochen, aber bei einem Bonsai wollen wir auch eine reichliche Verzweigung im unteren Bereich, damit wir später mehr Optionen für die weitere Gestaltung haben!
Je nach Baumart, Alter und gewünschter Größe erreicht man so am schnellsten das Ziel Stammverdickung. Einmal im Jahr werden mit einem Spaten um den Baum die Wurzeln gekürzt. Dadurch wird ein dichterer Wurzelballen angeregt.

b) Nicht jeder hat einen Garten um die A-Methode anwenden zu können. Macht nichts, es gibt zum Glück noch andere Möglichkeiten. Statt in den Garten wird der Baum in einen Teichtopf gepflanzt. Durch die Löcher an den Topfenden hat man einen wachstumsfördernden Effekt?!
Wenn die Wurzeln dort ankommen erblicken sie Sonnen- oder Tageslicht und sterben an dieser Stelle ab. Dies hat zur Folge das neue Wurzeln bzw. Wurzelverzweigung austreiben. Das Wurzelwachstum wird stark angeregt und es bildet sich sehr schnell ein dichtes Wurzelwerk was ebenfalls zu einem flotten Dickenwachtum des Stammes führt. Vorausgesetzt ist kräftiges düngen mit viel Stickstoff.
Je nach Baumart sollte man diesen je nach Alter und gewünschter Bonsaihöhe 1-3 Mal im Jahr zurückschneiden. So erhält man wie bei der freien Auspflanzung eine dichte Verzweigung. Wenn die Kultur mehrere Jahre vorgenommen wird, sollte jährlich umgetopft werden, damit der Baum frisches Substrat erhält. Bei dieser Gelegenheit werden die Wurzeln geordnet und evtl. in Form und die passende Richtung gebracht. Wenn sich bereits ein dichter Wurzelballen entwickelt hat, werden einige Ecken mit einer Wurzelschere herausgeschnitten, damit ein neues Wurzelwachstum möglich ist und die Hauptwurzeln sich in der Dicke weiterentwickeln können.

Nebari Schwarzerle

Auf dem Foto sieht man den Wurzelballen und Stammansatz (Nebari) einer Schwarzerle (3 Jahre alt) nach einem Jahr im Teichtopf. Es haben sich reichlich Wurzeln gebildet und der Stamm hat seinen Durchmesser etwa verdoppelt.

Bei der Methode A ist das Dickenwachstum am schnellsten, die Austriebe sind aber so heftig und deswegen meist nicht steuerbar.
Die Methode B ist zwar etwas langsamer, dafür kann man die Austriebe schon etwas besser durch drahten und spannen steuern als bei A.

Hat man mit einer der beiden Methoden die gewünschte Stammdicke und eine reichliche Verzweigung erreicht, ist es Zeit für die erste Bonsaischale. Ist der Wurzelballen noch zu hoch, erhält der zukünftige Bonsai übergangsweise eine tiefere Trainingsschale um sich in den nächsten Jahren an weniger Wurzelmaße und wenig Substrat zu gewöhnen.

Grundwissen – Gestaltung

5 Comments

  1. Angelika 28. Januar 2010
  2. Bernd 28. Januar 2010
  3. Petr 30. Mai 2017
  4. Bernd Schmidt 30. Mai 2017
  5. petr 31. Mai 2017

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