Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima) als Bonsai

Weihnachtssterne sind sehr beliebte Pflanzen. In unseren Breitengraden werden sie insbesondere zu Weihnachten mit ihren roten Hochblättern verkauft. Allerdings wird die rote Blattfärbung künstlich durch Lichtentzug und danach zusätzlicher Beleuchtung erreicht. In seiner Heimat in Guatemala und Mexiko wird die Pflanze Osterblume genannt, da sich die roten Hochblätter um Ostern bilden.

Meine Oma hatte über ein Jahrezehnt den gleichen Weihnachtsstern. Jedes Jahr hat dieser zu Weihnachten rote Blätter gebildet. Nach einem guten Jahrzehnt wurde daraus ein Busch mit erstaunlicher Größe. Inzwischen sind die meisten bei uns erhältliche Weihnachtssterne Zuchtformen. Die meisten Pflanzen werden nach dem Abfallen der roten Blätter irgendwann enstorgt. Vor Weihnachten kauft man einen neuen Weihnachtsstern. Nur sehr wenige Pflanzenfreunde machen sich die Mühe die roten Hochblätter wieder zu bekommen. Noch weniger Leute machen aus dem Weihnachtsstern einen Bonsai. Mir kam vor einigen Jahren die Idee, das mal zu testen. Ich hatte keine Informationen gefunden, ob ein Weihnachtsstern überhaupt zur Bonsaigestaltung geeignet wäre?

Inzwischen weiß ich, daß das möglich ist. Die Pflanze verholzt und lässt sich prima zurückschneiden und treibt munter neu aus. Der Weihnachtstern hat also alle Eigenschaften die sich für eine Pflanze zur Bonsaigestaltung erforderlich sind.

Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima)
Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima)

Herkunft:
Im Westen von Mittelamerika. Guatemala und Mexiko sind die Hauptvorkommen.

Blatt:
Wechseständig, elliptisch bis in umgekehrte Einform mit stumpfer bis langer Spitze. Blattlänge von 6 bis 25 cm und 4 bis 12 cm breit. Manche Zuchtformen können gezahnte Blattränder haben. Blattfarbe ist grün bis gelblich.

Die Hochblätter können nach einer vorherigen kürzeren Tageslichtphase mit anschließendne erhöhter Lichtzeit, eine rote Färbung entwickeln.

Rinde:
Im jungen Stadium grün und formbar. Nach ein paar Jahren verholzt der Stamm langsam und bekommt eine graubraune Farbe mit länglichen Furchen.

Winter:
Die Pflanze stammt aus warmer Region im Mittelamerika. Frost wäre der Tod. An einem warem Ort bei 18 bis 20 Grad überwintern. So halten auch die roten Hochblätter am längsten. Bei höheren Temperaturen fallen die roten Blätter früher ab.

Bonsaieignung:
Der Weihnachtsstern eignet sich sehr gut zur Bonsaigestaltung. Er ist sehr schnittverträglich und verholzt im Alter. Nach einem Rückschnitt bildet die Pflanze reichlich Neuaustrieb.

Beschaffung:
Im Blumenladen, Pflanzenladen, Baumärkten mit Pflanzenabteilungen. Im Bonsaihandel habe ich bisher noch keinen Weihnachtsstern gesehen.

Standort:
Im Sommer am besten im Freien bei warmen Temperaturen. Direkte Sonne vermeiden, da sonst die Blätter leicht verbrennen können. Im Winter hell bei 18 bis 20 Grad Celsius.

Giessen:
Von Mai bis November reichlich gießen. Nach der Blüte von Februar bis Mai sparsamer gießen.

Düngen:
Von Juni bis Oktober wöchentlich düngen.

Substrat:
Blumenerde, Torf-Erdemischungen, Zur Auflockerung der Erde können mineralische Bestandteile wie Bims oder Lavagranulat untergemischt werden.

Umtopfen:
Ab Mitte Mai alle 1 bis 3 Jahre, je nach Alter und größer der Pflanze und der Schale bzw. Topf.

Rückschnitt:
Nach dem Abfallen der echten kleinen Blüten wird je nach Größe der Pflanze 5 bis 10 cm zurückgeschnitten. Zur Bonsaigestaltung kann auch ein stärkerer Rückschnitt erfolgen.

Drahten:
Junge Triebe sind einfach drahtbar und in Form zu bringen. Verholzte Triebe werden im Alter brüchig. Meinen ersten Bonsai-Weihnachtsstern habe ich bisher noch nie gedrahtet. Bei niedriger Wuchshöhe bilden sich nach dem Rückschnitt und hellem Standort reichlich Neuaustriebe. Die unpassenden werden dann einfach entfernt. Die passenden ergeben neue Verzweigungen.

Hinweis:
Der Weihnachtsstern ist eine leicht sukkulente Pflanze. Er ist auch eine Euphorbie welche einen weißen leicht giftigen Milchsaft beinhalten. Dieser kann zu Hautreizungen führen. Beim schneiden oder Umtopfen sollte man sicherheitshalber Schutzhandschuhe tragen.

Schädlinge und Krankheiten:
Woll- und Schildläuse und Weiße Fliege.

Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima) als Bonsai

Ich war erstaunt, daß ich über diese sehr beliebte Pflanze keine Informationen im Internet über die Bonsaigestaltung gefunden habe? Vor einigen Jahren haben wir auf Weihnachten zwei kleine Weihnachssterne gekauft. Nachdem die roten Blätter und Blüte vorüber war, wollte meine Frau beide Pflanzen dem Biomüll übergeben. Da mir an beiden die Verzweigung interessant erschien, habe ich sie vor dem Kompost gerettet. Teilweise habe ich beide Pflanzen stark vernachlässigt. Dennoch wurde nach einigen Jahren etwas was an einen Bonsai erinnert. Eine Pflanze gefiel mir in der Entwicklung nicht. Diese habe ich dann doch noch an den Kompost übergeben. Aber der eine auf dem Foto hatte eine reichliche Verweigung entwickelt. Im Mai 2021 habe ich ihn zum ersten Mal kräftig zurück geschnitten. Die Stämme waren schon verholzt. Es hat gut zwei Monate gedauert bis sich der Neuaustrieb gezeigt hat. Aber dann sproß es aucs allen Knospen. Einige Austriebe musste ich an unpassenden Stellen entfernen. Von Mai bis jetzt stand er auf dem Balkon im Halbschatten. Seit heute steht er wieder im Zimmer an einem hellen Ostfenster.

Mein Tipp: Entsorgt euren nächsten Weihnachtsstern nicht gleich. Pflegt ihn für ein paar Jahre weiter. Es ist eine sehr pflegeleichte Pflanze. Schneidet ihn im Mai zurück. Ihr werdet sehen, daß auch ein Weihnachststern ein Bonsai werden kann.

Leider bekommt man in Deutschland kaum alte Pflanzen. Die hierzulande angebotenen Weihnachssterne stammen meist aus Afrika. Von dort werden sie als Stecklinge an deutsche Händler und Gärtnereien versendet. Diese bewurzeln sie verkaufen sie vor Weihnachten als Weihnachtstern. In ihrer Heimat wächst die Pflanze auch zu einem größeren Busch.

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