Was wirkt auf einer Bonsaiausstellung störend auf den Betrachter?

In über fünf Jahren habe ich nun einige Bonsaiausstellungen besucht.

Bei den meisten Ausstellern ähneln sich viele Dinge.

Da hält man sich mehr oder weniger an die Präsentations-Beispiele aus Japan.

Wenige Aussteller versuchen die Bonsai in einer Location zu integrierern. Ein Steingarten, ein asiatischer Garten oder ein historisches Gebäude können einer Bonsaiausstellung einen schönen Rahmen geben.

Egal welche Idee der Veranstalter für die Präsentation ausgedacht hat. Auf jeder Bonsaiausstellung gibt es auch störendes.

Störendes für den Betrachter.

Oft nur Kleinigkeiten, welche allerdings eine konzentrierte Betrachtung des Objektes Bonsai mehr oder weniger stören können.

Es gibt starke und es gibt geringe Störfaktoren. Und dann empfindet das auch noch jeder Mensch sehr subjektiv. Was den einen stört, ist für den anderen belanglos.

Dennoch mache ich mal eine Auflistung von Faktoren, die mich in der Vergangenheit bei Bonsaiausstellung gestört haben. Das soll keine Kritik an die Aussteller sein. Eher ein Denkanstoß. Vielleicht auch mal gewohnte Wege zu verlassen? Neues ausprobieren. Oder einfach auch mal verstärkt auf ein paar Details zu achten.

Störfaktor 1: unruhiger Hintergrund

Das habe ich sehr häufig auf regionellen Bonsaiausstellung erlebt. Ein Bonsai, wirkt wie jedes Kunstobjekt am besten, wenn der Betrachter nicht von ihm abgelenkt wird.

Ein unruhiger Hintergrund macht genau das. Er lenkt unser Auge beim Betrachten unbewusst ab.

Ein Bonsai im Garten wirkt meist weniger eindrucksvoll als auf einer Ausstellung mit einfarbigen Hintergrund. Das Grün im Garten oder eine Steinwand haben Strukturen. Diese können das Auge des Betrachters vom Hauptmotiv unbewusst ablenken. Auch Feinheiten sind viel schwerer zu entdecken.

Picea abies - Gemeine Fichte als Bonsai

Picea abies – Gemeine Fichte als Bonsai

Oft ist dies der Fall, wenn ein Bonsai ohne Hintergrund aufgestellt wird. Im Freien sowohl als auch in einer Halle. Das Auge hat es viel schwerer sich auf den Bonsai zu konzentrieren.

Ein einfarbiger Hintergrund, egal in welcher Form, ist da schon viel besser. Der Betrachter kann sich voll auf den ausgestellten Bonsai konzentrieren. Sein Auge wird nicht vom Objekt, dem Bonsai, abgelenkt.

Störfaktor 2: Falten im Hintergrund

Es geht weiter beim Hintergrund. Da können vielerlei Dinge vom Motiv ablenken.

Auf einigen Ausstellungen werden die Bonsai vor einem weißen Tuch präsentiert. Da ist eine gute faltenfreie Spannung des Tuches wichtig.

Gemeine Eibe (Taxus baccata)

Gemeine Eibe (Taxus baccata)

Wenn das Tuch Falten wirft, kann dies den Betrachter unbewusst stören. Der Blick kann immer wieder vom Bonsai abgelenkt werden. Erstaunlich war für mich, dass es auch in Mannheim auf der Bundesausstellung solche Falten im Tuch gab. Könnte da nicht ein Bügeleisen Abhilfe bringen?

Störfaktor 3: Streben im Hintergrund

Ein Tuch kann man nicht unendlich spannen. Man braucht bei einer gewissen Länge Stütz- und Verbindungsstreben. Das sehe ich bei langen Ausstellungreihen vollkommen ein.

Aber warum man einen Bonsai genau vor eine dieser Streben stellt ist mir jedes mal ein Rätsel? Das trübt den Gesamteindruck eines Bonsai. Das Auge wird immer wieder von der Strebe abgelenkt.

Gemeine Eibe (Taxus baccata) als Bonsai

Gemeine Eibe (Taxus baccata) als Bonsai

Ebenfalls auf der Bundesausstellung Mannheim gesehen. Ein großartiger Eiben-Bonsai. Und seitlich versetzt ist eine Verbindungsstrebe. Sorry, das stört den Gesamteindruck des Bonsai gewaltig.

Der Bonsaigestalter hat Jahre lang viel Mühe, Wissen und Können in solch einen Bonsai gesteckt und da versaut ein Veranstalter den optimalen Gesamteindruck durch solch eine Nachlässigkeit?

Übertreibe ich?

Meine meiner Meinung nach nein. Ein großartiger Bonsai sollte auch optimal präsentiert werden. Das hat jeder Gestalter verdient. Aber auch die Besucher erwarten zumindest auf einer Bundesausstellung 100% ungetrübte Ausstrahlung eines Bonsai, bei der Betrachtung.

Störfaktor 4: Strukturen im Hintergrund

Manche Hintergründe haben irgendwelche Strukturen. Selbst wenn diese einfarbig sind, wird die Konzentration der Betrachtung dadurch reduziert, da das Auge abgelenkt wird.

Mädchenkiefer (Pinus parviflora) Shohin-Bonsai

Mädchenkiefer (Pinus parviflora) Shohin-Bonsai

Bei der Shohin-Mädchenkiefer wird diese zwar vor weißem Tuch präsentiert. Durch ein Gitter mit schwarzen Streben entsteht eine Struktur die zwar gleichmässig ist aber den Betrachter dennoch bei der Konzentration auf den Baum immer wieder ablenkt. Beim gleichen Aussteller wurden viele Shohin-Bonsai sogar mit schwarzen Streben präsentiert. Sieht wie eine japanische Trennwand aus. Reduziert allerdings den maximalen Eindruck eines kleinen Bonsai.

Mädchenkiefer (Pinus parvifolia) als Bonsai

Mädchenkiefer (Pinus parvifolia) als Bonsai

In historischen Gebäuden darf oft die Steinwand als Hintergrund herhalten. Auf den ersten Blick ganz Ok. Dennoch wird das Auge durch die Strukturen abgelenkt. Auch der Farbton lässt Feinheiten am Baum leichter verschwinden. Details in den Ästen, der Belaubung bzw. Benadelung sind nur schwer zu betrachten. Ein großartiger Bonsai. Eine gute aber auch optimierbare Präsentation. Ein neutraler einfarbiger Hintergrund würde die Wirkung des tollen Bonsai noch steigern.

Störfaktor 5: drängelnde und rücksichtslose Besucher

Manchmal kommt es mir so vor, als ob alle Menschen auf der Flucht sind?

Auch auf Bonsai-Ausstellungen werde ich diesen Eindruck nicht ganz los.

Mir ist es auf fast jeder Bonsaiausstellung schon passiert, wenn ich gerade einen Bonsai betrachte. Zuerst aus normalen Abstand. Um die Details besser erkennen und beurteilen zu können schaue ich dann auch schon mal ganz genau hin. Und bei mittleren bis größeren Bonsai-Bäumen gehe ich für eine abschließende Einschätzung auch mal ein oder zwei Schritte zurück um das Gesamt-Kunstwerk final für mich beurteilen zu können.

Besucher welche die Sicht beeinträchtigen

Besucher welche die Sicht beeinträchtigen

Und schwupps schieben sich gleich drängelnde Ausstellungsbesucher in mein Blickfeld. Meine Betrachtung wird unterbrochen. Und dann bleiben die Leute auch noch eine gefühlte Ewigkeit vor meiner Nase stehen und fangen mir lang erscheinende Diskussionen über den Bonsai an.

Wenn es Demonstrationen über eine Bonsaigestaltung gibt, nutze ich diese Zeit meist auf der Ausstellung um mir in Ruhe die Bäume anzuschauen. Da sind die meisten Besucher auf den Vorführungen und die Ausstellung ist leerer. Allerdings gibt es nicht auf jeder Bonsaiausstellung auch eine Gestaltungsvorführung.

Zum Glück gibt es auch viele Besucher, die warten, bis man seine Betrachtung beendet hat.

Störfaktor 6: schlechtes Licht

Bei einer Bonsaiausstellung im Freien hat man wenig Einfluß auf die Lichtverhältnisse. Die Hauptlichtquelle ist am Tag die Sonner bzw. ein bewölkter Himmel. Hartes Sonnenlicht kann durch die hohen Kontraste die Betrachtung spürbar beeinflußen. Nicht immer positiv. Wobei hier der Standort und Hintergrund eine wichtige Rolle spielen.

Olivenbaum mit viel Totholz

Olivenbaum mit viel Totholz

Die meisten Bonsaiausstellung im Lande finden allerdings in Innenräumen statt. Die Ausleuchtung der einzelnen Bonsai-Bäume ist nicht immer optimal. Ok. Sporthallen, Mehrzweckhallen, historische Gebäude oder Stadthallen wurden wohl nicht für Bonsai-Ausstellungen geplant und gebaut.

Mag sein. Mich stört es trotzdem, wenn manche Bonsai achtlos in einer dunkleren Ecke stehen. Oder wenn Gegenlicht von einem Fenster den Blick auf den Bonsai vermindert oder sogar verhindert, da man zum betrachten die Augen zukneifen muß.

Optimal ist etwas anderes.

Wenn man eine Gemäldeausstellung besucht, wird jedes Gemälde optimal präsentiert. Der Rahmen wird auf das Bild abgestimmt. Und mit dem richtigen Licht hebt man das Kunstwerk erst hervor.

Bonsai = Gemälde
Bonsaischale = Rahmen
Licht = Licht

Schade daß der Faktor Licht sehr häufig vernachlässigt wird. Ein bewussterer Einsatz würde den Eindruck vieler ausgestellter Bonsai-Bäume spürbar verbessern.

Auf einigen Bonsaiausstellungen habe ich sogar drei verchiedene Lichtquellen erlebt. Tageslicht, Neonlicht und Licht von Glühlampen. Alle drei ergeben ein unglaubliches Farbgemisch. Das Tageslicht war noch neutral. Neonlicht war grünlich. Die anderen künstlichen Lichtquellen waren sehr gelbstichig.

Bonsaiausstellung Weil der Stadt 2013

Leider kein Einzelfall. Das kommt auf vielen Bonsaiausstellung in Räumlichkeiten mit Fenstern und Kunstlicht vor.

Mich würde es freuen, wenn mehr Aussteller auch auf die Beleuchtung acht geben würden. Damit könnte man die Bonsai im Sinne des Wortes besser in das rechte Licht setzen 😉

Störfaktor 7: vergilbtes Hintergrundtuch

Auf Ausstellungen mit weißen Hintergrund-Tuch habe ich auch schon gelb vergilbte Tücher erblickt.

Glaubt mir, dass ist kein schöner Anblick. Das sieht unsauber und schmuddelig aus. Vor allem wenn es dunkler Fleck ist. Wenn das ganze Tuch in einem Farbton wäre, würde es überhaupt nicht auffallen.

Ich weiß nicht aus welchem Stoff oder Material diese Hintergrundtücher sind. Aber Stoffe kann man sicherlich vor der Ausstellung waschen. Und wenn der Stoff schon so alt und vergilbt ist, kann man ihn doch gegen einen neuen austauschen?

Auf mich machen vergilbte Hintergründe keinen positiven Eindruck.

Störfaktor 8: Bonsai ist höher als der Hintergrund

Manche Bonsai-Bäume sind recht groß. So kann es passieren, daß ein hoher Bonsai die Höhe der Hintergrundwand überschreitet.

Sorry, geht gar nicht. Das sieht sehr bescheiden aus. Das sieht aus, wie wenn ein Gemälde aus dem Rahmen fällt.

Sambucus nigra als Bonsai

Bitte den Hintergrund hoch genug wählen. Manche Aussteller präsentieren solch große Bäume in einer Tokoname. In manchen Hallen gibt es eine Bühne mit dunklem Tuch. Oder einfach vor einer einfarbigen Wand. Alles bessere Hinergrund-Alternativen für solch große Bäume.

Störfaktor 9: Shohin-Bonsai werden in Hüfthöhe präsentiert

Sorry, das geht überhaupt nicht. In bin nun über 50 Jahre. Da fällt mir das bücken zum betrachten eines kleinen Bonsai spürbar schwerer als in jungen Jahren. Aber auch für jüngere Menschen dürfte es mühselig sein die filigrane Shohin-Bonsai-Kunst knieend zu betrachten. Die meisten werden das nicht tun.

Shohin-Bonsai und Akzentpflanzen

Shohin-Bonsai und Akzentpflanzen

Eine bessere Betrachtung ist da mit Regalen möglich. Der Klassiker sind hier Shohin-Regale.

Shohin-Bonsai Display #4

Shohin-Bonsai Display

Allerdings sind darin die untersten Bonsai auch fast immer in Hüfthöhe. Diese Präsentationsart stammt aus Japan. Ich weiß nicht ob man immer alles aus Japan 1:1 übernehmen muß?

Viel besser gefallen mir da Shohin-Präsentationen auf Betrachtungshöhe.

Shohin-Bonsai

So wie auf der Landes-Bonsaiausstellung Baden-Württemberg 2012. Dort wurden vor schwarzem Tuch die Shohin-Bonsai auf einem hohen Podest einzeln präsentiert! 30 kleine Bonsai perfekt in Szene gesetzt. Alle Bäume wurden mit Bühnenlicht sehr gut beleuchtet. Zum fotografieren war die Szene fürchterlich, da sehr lange Belichtungszeiten erforderlich waren. Zum betrachten war es perfekt!

Der Betrachter konnte sich zu 100% auf den kleinen Bonsai konzentrieren. Der einfarbige Hintergrund hat die Betrachtung unterstützt. Der gezielte Lichteinsatz brachte feinste Details zum Vorschein. Eine perfekte Shohin-Präsentation!

Denkanstoss für Bonsaiausstellungen

Eine Bonsaiausstellung ist ein organisatorisch und logistisch riesiger Aufwand. Meine Kritiken betreffen keine der von mir besuchten Bonsaiausstellung. Die waren alle in einigen Punkten großartig. In manchen Punkten gibt es aber selbst auf der Bundesausstellung noch leichtes Optimierungspotential bei der Präsentation. Ich meine hier in erster Linie die Reduzierung von Störfaktoren für den Betrachter.

Auf manche Faktoren hat der Aussteller keinen Einfluß. Einige Punkte kann man aber sicherlich in eine Bonsaiausstellung einfließen lassen. Ich denke vielen Ausstellern sind die Punkte bisher noch gar nicht bewusst gemacht worden. Eine Bundes-Bonsaiausstellung wird immer über den Klee hinaus gelobt. Klar, die besten Bonsai des Landes werden präsentiert. Zudem ist es oft schwer einen AK zu finden, der solch eine große Ausstellung auf hohem Niveau stemmen kann und mag.

Aber gerade auf einer Bundesausstellung sollten die Bonsai-Bäume perfekt präsentiert werden.

Viele Bonsaiaussteller stellen die Bonsai aus, wie sie es gewohnt sind. Als Vorbild gelten meist die japanischen Ausstellungvorbilder.

Die meisten Aussteller wagen da selten Experimente. Ausstellung in einer Halle. Bäume in Hüfthöhe aufgestellt. Möglichst vor einem weißen Tuch als Hintergrund. Als Untergrund wird meist ein blaues Tuch verwendet.

Meiner Meinung nach spricht nichts gegen diese Präsentation. Zumindest, wenn der Hintergrund faltenfrei und durchgängig weiß ohne Vergilbungen ist. Und wenn dann auch noch die Bonsai-Bäume nicht vor einer Strebe gestellt werden, ist solch eine Bonsai-Präsentation fast perfekt.

Perfekt ist eine Präsentation für mich, wenn dann der Bonsai-Baum in das rechte Licht gerückt worden ist und Shohin-Bonsai in Betrachtungshöhe stehen.

Habe ich irgendwelche Störfaktoren vergessen?

Dann teilt mir diese bitte mit.

Gerne ergänze ich diese Auflistung.

Wie empfindet ihr solche optischen Störungen auf Bonsaiausstellungen?

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