Bonsai – Gestalten mit heimischen Gehölzen 3. Auflage

Wer mit dem Bonsai-Hobby anfängt, landet meistens schnell bei Bäumen aus Asien. Man kauft sich eine schicke „Ulme“ im Baumarkt oder träumt von einem japanischen Ahorn. Aber Hand aufs Herz: Viele dieser Bäume überleben den ersten Winter nicht, weil sie unser Klima einfach nicht gewohnt sind oder der Pflege nicht das Wissen für die optimale Pflege hat. Genau hier setzen Werner M. Busch und Achim R. Strecker mit ihrem Buch „Bonsai – Gestalten mit heimischen Gehölzen“ an. Ich habe das Buch für euch gelesen und sage euch: Es ist der perfekte Wegweiser für alle, die Bonsai endlich „verstehen“ wollen. Heimische Baumarten lassen sich meist viel einfacher pflegen, da sie an unser Klima gewöhnt sind. Mittlerweile bekommt man im Bonsai-Fachhandel reichlich Rohlinge bis zum fertigen Bonsai aus heimischen Pflanzenarten.

Über die Buchautoren

Werner M. Busch

Werner M. Busch ist eine Instanz der deutschen Bonsai-Landschaft. Sein Weg begann in den 1970er Jahren und führte 1983 zur Gründung des Bonsai-Zentrums Düsseldorf, das weit über die Region hinaus als fachlicher Knotenpunkt bekannt ist. Busch zeichnet sich durch seine tiefe botanische Fachkenntnis und einen klaren, naturnahen Gestaltungsstil aus.

Als Autor verfasste er Standardwerke wie „Bonsai: Aus heimischen Bäumen selbst gezogen“, die Generationen von Einsteigern prägten. Sein Fokus liegt besonders auf der Eignung einheimischer Gehölze. Durch seine langjährige Lehrtätigkeit und Präsenz in Fachmedien hat er maßgeblich dazu beigetragen, Bonsai in Deutschland von einem exotischen Hobby zu einer ernstzunehmenden Kunstform mit gärtnerischem Fundament zu entwickeln.

Achim R. Strecker

Achim R. Strecker ist als international anerkannter Bonsai-Gestalter und Lehrer bekannt. Sein künstlerischer Ansatz ist stark von der japanischen Ästhetik geprägt, wobei er technischen Perfektionismus mit einem feinen Gespür für die Individualität des Baumes verbindet. Er betreibt seine eigene Bonsai-Schule und ist für seine strukturierten Workshops geschätzt, in denen er Schülern die Balance zwischen Handwerk und Kunst vermittelt.

Strecker ist zudem ein gefragter Demonstrator auf großen europäischen Kongressen. Sein Stil ist oft durch eine dynamische Linienführung und die gekonnte Integration von Totholz-Elementen (Jin und Shari) charakterisiert. Durch seine Arbeit im Bonsai-Club Deutschland (BCD) und zahlreiche Publikationen fördert er unermüdlich das Qualitätsbewusstsein und die ästhetische Weiterentwicklung der europäischen Bonsai-Szene.

Bonsai: Gestalten mit heimischen Gehölzen 3. Auflage
Bonsai: Gestalten mit heimischen Gehölzen 3. Auflage

Worum geht es eigentlich?

Die Grundidee des Buches ist simpel: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute direkt vor der Haustür wächst? Die Autoren zeigen uns, dass wir aus ganz normalen Bäumen, die wir vom Waldspaziergang kennen – wie Buche, Eiche, Lärche oder Ahorn – wunderschöne Bonsai machen können. Der riesige Vorteil: Diese Bäume sind bei uns zu Hause. Sie vertragen unseren Frost, sie mögen unseren Regen und sie kommen mit den hiesigen Schädlingen viel besser klar.

Was steht drin?

Das Buch ist kein trockenes Lexikon. Es fühlt sich eher an wie ein Kurs bei einem Profi, der einem über die Schulter schaut.

1. Baumkunde: Den Baum verstehen lernen

In diesem Teil des Buches nehmen uns die Autoren mit an die Basis. Bevor man zur Schere greift, muss man verstehen, wie ein Baum überhaupt „tickt“. Es geht nicht nur um das Aussehen, sondern um die Biologie. Busch und Strecker erklären sehr anschaulich, wie Bäume wachsen, wie sie Nährstoffe transportieren und wie sie auf äußere Reize reagieren. Für einen Bonsai-Gärtner ist dieses Wissen lebenswichtig, denn ein Bonsai lebt in einer simulierten Umgebung einer kleinen Schale.

Das Buch vermittelt hier, warum Wurzeln und Krone in einem ständigen Gleichgewicht stehen sollten. Man lernt den Unterschied zwischen dem Dickenwachstum und dem Längenwachstum kennen und erfährt, warum ein Baum an bestimmten Stellen neue Knospen bildet, wenn man ihn beschneidet. Die Autoren schaffen es, dieses Fachwissen ohne komplizierte Fachbegriffe zu erklären. Es geht darum, ein Gefühl für den Organismus Baum zu bekommen. Wer versteht, wie ein Baum atmet und trinkt, wird später viel weniger Fehler bei der Pflege machen. Dieses Kapitel bildet das Fundament, auf dem die gesamte restliche Gestaltung aufbaut. Denn nur ein gesunder Baum kann ein schöner Bonsai werden.

In dem Kapitel lernt man die Basics eines Baumes. Wie man den optimalen Standort wählt. Wie Erde, Wasser und Dünger ins Gleichgewicht gebracht werden. Wie die Überwinterung schadlos organisiert werden kann.

2. Ziele einer Bonsai-Gestaltung: Was wollen wir erreichen?

Bonsai ist mehr als nur ein Baum im Topf. Es ist eine Kunstform. In diesem Abschnitt definieren Busch und Strecker, was das Ziel der ganzen Arbeit ist. Es geht darum, die Illusion eines ehrwürdigen, alten Baumes in Miniaturformat zu erschaffen. Das Buch erklärt, dass wir nicht einfach die Natur kopieren, sondern ihre markantesten Merkmale hervorheben wollen. Ein Ziel ist es, dem Betrachter das Gefühl zu geben, vor einem riesigen Riesen zu stehen, obwohl der Baum vielleicht nur 40 Zentimeter hoch ist.

Die Autoren legen großen Wert darauf, dass die Gestaltung eine Geschichte erzählen sollte. Hat der Baum gegen Wind und Wetter gekämpft? Stand er einsam auf einem Berg oder geschützt in einem Wald? Das Ziel ist die Harmonie zwischen dem Baum, der Schale und dem Raum, in dem er steht. Dabei geht es nicht um starre Perfektion, sondern um Ausstrahlung. Busch und Strecker ermutigen den Leser, seinen eigenen Blick zu schulen und ein Ziel vor Augen zu haben, bevor der erste Ast fällt. Man lernt hier, die „Seele“ des Baumes zu suchen und seine natürliche Schönheit durch gezielte Eingriffe zu unterstützen, statt ihn in eine unnatürliche Form zu zwingen. Die Gestaltungsformen beinhalten auch eine Portion Theorie. Fachbegriffe aus dem japanischen die den Gestaltungstil eines Bonsai definieren sind die Wissensgrundlage für eine gezielte Bonsaigestaltung.

3. Gestaltung: Das Handwerk mit Schere und Draht

Hier wird es praktisch: Die Gestaltung ist das Herzstück des Bonsai-Hobbys. In diesem Kapitel zeigen die Autoren die Werkzeuge und Techniken, mit denen man die Form des Baumes verändert. Das Buch führt Schritt für Schritt in die Kunst des Schneidens und Drahtens ein. Es wird erklärt, wie man durch den „Rückschnitt“ die Verzweigung dichter macht und wie man mit Aluminium- oder Kupferdraht die Äste in die gewünschte Richtung lenkt, ohne den Baum zu verletzen.

Besonders spannend ist der Fokus auf die Gestaltung heimischer Bäume. Während man bei japanischen Bäumen oft sehr strengen Regeln folgt, zeigen Busch und Strecker, wie man sich an der Wuchsform unserer heimischen Wälder orientiert. Man lernt Techniken wie das „Jin“ (Totholz-Gestaltung), bei dem Äste so bearbeitet werden, dass sie aussehen, als seien sie vom Blitz getroffen oder vom Alter gezeichnet. Die Autoren nehmen den Leser an die Hand und zeigen durch viele Vorher-Nachher-Beispiele, wie aus einem struppigen Strauch aus dem Gartencenter über mehrere Jahre ein beeindruckendes Kunstwerk wird. Es ist eine Einladung zum Ausprobieren, wobei immer der Respekt vor der Pflanze im Vordergrund steht.

4. Gehölzkunde: Unsere heimischen Stars im Porträt

Die Gehölzkunde ist der umfangreichste Teil des Buches. Hier stellen die Autoren die „Hauptdarsteller“ vor: die Bäume unserer Heimat. Es ist wie ein Katalog der Möglichkeiten. Jede Baumart – von der robusten Hainbuche über die edle Rotbuche bis hin zur urigen Eiche und der flexiblen Lärche – wird einzeln unter die Lupe genommen. Busch und Strecker erklären für jedes Gehölz die spezifischen Vorlieben und Tücken.

Man erfährt zum Beispiel, welche Erde die Kiefer braucht, wie viel Wasser der Ahorn im Sommer verdunstet und warum die Eibe so gut aus altem Holz wieder austreibt. Dieser Teil ist besonders wertvoll, weil er zeigt, dass man für ein tolles Hobby nicht viel Geld für Importe ausgeben muss. Die Autoren beschreiben, wie man Pflanzen in der Baumschule findet oder wie man sogar Sämlinge aus dem eigenen Garten erfolgreich aufzieht. Es ist eine Schatzkiste voller Praxistipps: Welche Arten sind für Anfänger geeignet? Welche brauchen viel Geduld? Durch die detaillierten Beschreibungen wird klar, dass jede Baumart ihren eigenen Charakter hat und eine individuelle Behandlung erfordert. Das Wissen aus diesem Kapitel spart jedem Bonsai-Besitzer viel Frust und Zeit.

Für mich ist diese Buch das umfangreichste Anleitungsmedium in deutscher Sprache über heimische Baumarten mit sehr vielen Detailinformation und sehr umfangreichen Beispiel- und Anleitungsbildern. Derzeit das umfangreichste Verzeichnis.

5. Krankheiten und Schädlinge: Den Baum gesund erhalten

Ein Thema, das oft Sorgen bereitet, wird hier ganz sachlich und hilfreich behandelt. Busch und Strecker wissen, dass jeder Bonsai-Gärtner früher oder später mit Blattläusen, Pilzen oder Spinnmilben zu tun bekommt. Das Buch erklärt einfach und verständlich, woran man erkennt, dass es dem Baum nicht gut geht. Dabei geht es nicht nur um Schädlinge, sondern auch um Pflegefehler wie zu viel Wasser (Wurzelfäule) oder einen zu dunklen Standort.

Die Autoren geben konkrete Tipps zur Vorbeugung: Ein gesunder, gut gedüngter Baum an einem luftigen Platz wird seltener krank. Sollte es doch passieren, werden umweltfreundliche und wirksame Methoden zur Bekämpfung vorgestellt. Man lernt, die ersten Anzeichen von Mehltau oder Wollläusen zu deuten, bevor der ganze Baum Schaden nimmt. Besonders wichtig ist der Hinweis auf die Beobachtung: Wer seine Bäume jeden Tag beim Gießen genau anschaut, bemerkt Veränderungen sofort. Dieses Kapitel nimmt die Angst vor Krankheiten, indem es zeigt, dass man den meisten Problemen mit ein wenig Aufmerksamkeit und den richtigen Handgriffen schnell Herr werden kann. Es ist die „Hausapotheke“ für jeden Bonsai-Halter.

6. Die Gehölze Japans: Der Blick über den Tellerrand

Obwohl das Buch den Schwerpunkt auf heimische Arten legt, ignorieren die Autoren die Wurzeln der Bonsai-Kunst nicht. Im Kapitel über die Gehölze Japans zollen sie den Klassikern wie dem Fächerahorn, der Mädchenkiefer oder der Satsuki-Azalee Respekt. Es wird erklärt, warum diese Bäume seit Jahrhunderten für Bonsai verwendet werden und was sie so besonders macht – etwa die extrem kleinen Blätter oder die feine Rinde.

Busch und Strecker ziehen hier interessante Vergleiche zwischen den japanischen Originalen und unseren heimischen „Gegenstücken“. So kann man zum Beispiel lernen, was man von der Gestaltung einer japanischen Fichte für unsere heimische Rotfichte lernen kann. Es wird aber auch ehrlich angesprochen, dass viele dieser japanischen Schönheiten in unserem Klima besondere Schutzmaßnahmen brauchen, wie etwa einen frostfreien Winterplatz. Dieser Teil des Buches rundet das Wissen ab und ordnet die heimische Bonsai-Gestaltung in den weltweiten Kontext ein. Er zeigt, dass man die japanische Ästhetik bewundern kann, während man gleichzeitig die Vorteile und die Kraft der Bäume nutzt, die direkt vor unserer eigenen Haustür wachsen.

Warum ich dieses Buch liebe

Es gibt viele Bonsai-Bücher, die sehr esoterisch oder extrem streng sind. Da wird einem gesagt, dass ein Ast genau im 45-Grad-Winkel stehen muss, sonst ist es kein „echter“ Bonsai. Busch und Strecker sind da anders. Sie haben eine große Liebe zur Natur. Sie sagen: Schau dir an, wie eine alte Eiche auf dem Feld wächst. Wenn dein Bonsai so aussieht, dann ist er gut – egal, was irgendeine Regel aus Japan sagt. Diese Freiheit macht das Hobby viel entspannter.

Für wen ist das Buch etwas?

  • Für blutige Anfänger: Weil es die Angst nimmt, etwas falsch zu machen.
  • Für Leute mit „braunem Daumen“: Weil heimische Bäume einfach viel zäher sind als Import-Pflanzen.
  • Für Naturfreunde: Die beim Wandern schon immer dachten: „Mensch, die kleine Buche da am Felsen sieht aber hübsch aus.“
  • Für Bonsai-Experten: bei dem Wissenspektrum dient das Buch jedem in vielen Situationen als sehr hilfreiches Nachschlagewerk.

Mein Fazit

„Bonsai – Gestalten mit heimischen Gehölzen“ ist für mich das wichtigste Buch im Regal. Es holt das Hobby aus der staubigen „Exoten-Ecke“ direkt in unseren Garten oder auf den Balkon. Es ist ehrlich, praktisch und macht einfach Lust, sofort zur Schere zu greifen und loszulegen. Wenn du keine Lust mehr hast, dass dir deine teuren Import-Bäume eingehen, dann kauf dir dieses Buch. Es öffnet dir die Augen für die Schönheit, die direkt vor deiner Haustür wächst. Lohnt sich der Kauf der 3. Auflage, wenn man die 1. oder 2. hat? Auf jeden Fall. Die 3. Auflage wurde mit vielen weiteren Beispielbildern perfekter Bonsai-Gestaltungen erweitert. Beim Umfang des Fachbuches erscheint mir auch der Preis von 59,95 Euro als angemessen.

Erhältlich im Buchhandel und auf Amazon.

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