Eine Rosskastanie auf dem Weg zum Bonsai

Andreas hat mir vor ein paar Tagen ein Mail geschickt.

[ad#google-text-468-15]Er hat drei Jahre lang eine Rosskastanie im Freien ausgepflanzt.

Nun muss er diese demnächst aus Platzgründen ausgraben und möchte sie in einem Teichtopf weiter kultivieren.

Bei der Planung dieses Vorhabens sind ihm viele Fragen durch den Kopf geschossen.

Einige davon hat er in seinem Mail an mich gestellt.

Es handelt sich hier um Fragen, die sich irgendwann fast jeder Bonsaigestalter in seinen Anfängen, mal gestellt hat. Deswegen möchte ich diese hier für alle noch weniger erfahrenen Bonsaigestalter hier im Blog zur Dikussion stellen:

Hallo,

ich bin gestern bei der Suche nach Informationen zu meinem zukünftigen Bonsaiprojekt zufällig auf Ihre wirklich tolle, informative Seite gestoßen und möchte gerne Ihren Service nutzen und mich an dem Blog beteiligen.

Ich habe seit ca. 3 Jahren eine Rosskastanie im Freibeet, welche ich jetzt langsam zu einem Bonsai gestalten möchte. Dieser sollte später einmal ca. 1 Meter hoch sein.

Sollte ich den Baum schon jetzt im Herbst aus dem Beet nehmen oder erst im Frühjahr (Ende März?).
Ich wollte Ihn dann zunächst einmal in einen Teichtop pflanzen, damit der Stamm noch etwas an Dicke zulegen kann. Im Beet kann er leider aus Platzgründen nicht länger bleiben.
Da die Kastanie bisher nur gleichmäßig nach oben gewachsen ist, ohne sich vernünftig zu verjüngen und ohne nennenswerte Verzweigungen beabsichtige ich auch den Stamm radikal einzukürzen. Sollte man diesen Schnitt schon jetzt im Herbst vornehmen oder warte ich damit besser bis zum Frühjahr?
In diesem Zusammenhang wäre noch interessant zu wissen, in welcher Höhe der Stamm ungefähr eingekürzt werden sollte, wenn ich bei einer freien aufrechten Form später einmal eine Kronenhöhe von ca. 1 Meter erreichen möchte.
Hoffe, Sie können mir da weiterhelfen. Falls erforderlich kann ich Ihnen bei Bedarf auch ein Bild von dem Baum wie er sich z.Zt. darstellt zusenden.

Liebe Grüße und bis bald.

Andreas

Rosskastanie frei ausgepflanzt

Rosskastanie frei ausgepflanzt #2

Viele Fragen über die nächsten Schritte. Aber ohne konkreten Plan wird man kaum einen guten Bonsai gestaltet bekommen.

Der Weg zu einem Bonsai kann vielfältig sein. Deswegen erwarte ich zu diesem Thema auch unterschiedliche Antworten.

Als kleiner Vorgeschmack, ein Foto einer Rosskastanie die schon etwas länger als Bonsai gestaltet wurde:

Rosskastanie als Bonsai

So könnte auch die Rosskastanie von Andreas nach 10, 15 oder 20 Jahren aussehen.

Welche Gestaltungsmassnahmen würdet ihr wann durchführen?

Über Bernd

Bei der Beschäftigung mit Bonsai kann ich entspannen und abschalten. Auf diesem Blog möchte ich Anfängern mein bescheidenes Grundwissen über Bonsai verständlich rüber bringen.

6 Kommentare zu Eine Rosskastanie auf dem Weg zum Bonsai

  1. Lukas schrieb:

    Hallo

    Da die frei aufrechte Form bei einer Rosskastanie meiner Meinung nach relativ schwierig zu gestalten ist, würde ich die besenform der frei aufrechten Form vorziehen. Dafür würde ich die Kastanie (falls möglich) noch ein jähr stehen lassen und sobald sie dieses Jahr die Blätter abgeworfen hat direkt unter der ersten dicken Verzweigung den Stamm abschneiden und nächstes Jahr erst ausgraben. Wenn du sie umbedingt dieses Jahr ausgraben musst, kannst du die zwei Schritte auch vertauschen.

  2. Mario schrieb:

    Wenn die Kastanie noch an dicke gewinnen soll, dann bitte weiter im Beet kultivieren.
    Im Frühjahr einfach nur ausstechen, um dicke Wurzeln zu vermeiden.
    Eine Vor-Gestaltung kannst du auch im Beet bestimmen. Bei dieser angelegenheit, kann ich meinem vorredner Lukas nur zustimmen.

    Mein Tipp: min. 2-4 Jahre mit ordentlicher Pflege weiter im Beet kultivieren. Im richtigen (letztes Jahr im Beet) moment köpfen, um eine Besenform zu gestalten.

  3. Lukas schrieb:

    Ist es nicht ratsamer zwischen den Schritten „köpfen“ und ausgraben der Kastanie ein Jahr zeit zu geben zur Erholung?

  4. Bernd schrieb:

    @ Lukas
    es kommt dabei auf den Entwicklungszusstand und die Gesundheit des Baumes an. Auch die Baumart spielt da eine Rolle.

    Bei den meisten heimischen Bäumen ist der Spätwinter – Frühjahr, vor dem Austrieb ein guter Zeitpunkt zum entenehmen aus dem Feld, als auch für einen Rückschnitt. Danach sollte die Pflanze vor starken Frost geschützt werden. Wind- und Sonnenschutz reicht da meist.

    Mit Wurzelballen können auch manche heimische Baumarten im Herbst aus dem Feld entnommen werden. Habe so zwei 12-jährige Hainbuchen im Jutetuch Wind- und Wettergeschützt auf dem Balkon überwintert. Wurzelschnitt und Eintopfen erfolgte im Spätwinter erfolgreich.

    @ Andreas
    Ich würde die Rosskastanie, wenn irgendwie möglich noch weitere 6-9 Jahre im Feld stehen lassen, da sie dort 3-5x schneller als im einer Schale wächst. 10-12 Jahre und man bekommt einen schönen dicken Stammansatz. Jährlich einen kräftigen Rückschnitt und danach wachsen lassen. Die Feldkultur ist allerdings nicht ganz einfach und erfordert gutes Wissen über die kultivierte Pflanze. Insbesondere wann und wo der Rückschnitt erfolgen soll. Ist nicht ganz einfach, da solch ein Baum aus sämtlichen Knospen zu treiben scheint.

    Aber nach ca. 10 Jahren hat man dann auch ein gutes bis sehr gutes Rohmaterial für eine Bonsaigestaltung. Schaut euch die Rohpflanzen mal vom Bonsaigarten Linda an. Die sind 10-12 Jahre im Feld vorkultiviert und regelmässig zurück geschnitten worden. Bestes Rohmaterial.

    In Teichtöpfen und Schalen dauert es wesentlich länger bis ein Stamm diese Dicke erreicht hat.

  5. Lukas schrieb:

    Ich habe gerade ein bisschen recherchiert und herausgefunden, dass es sinnvoll ist die Kastanie im Frühjahr auszugraben.

    Und ich habe mich gefragt, ob es nicht sinnvoll ist den Stamm möglichst früh einzukürzen, damit die Schnittwunde gut überwallt werden kann und der Baum nicht zu viel Energie in die oberen äste steckt, die dann entfernt werden.

  6. Bernd schrieb:

    @ Lukas

    Frühjahr ist für die meisten Laubbäume die beste Zeit zum ausgraben.

    Einen kräftigen Stammrückschnitt würde ich bei dem jungen Baum noch nicht vornehmen. Dazu ist der Stamm für meinen Geschmack noch zu dünn.

    Zudem ist der Baum nach dem ausgraben erst einmal geschwächt und sollte bei einem Laubbaum durchaus ein bis zwei Jahre lang in einem geräumigen Topf oder Teichtopf weiter kultiviert werden. Zu lange Äste oder die Höhe kann man aber, falls erforderlich, duchaus schon einmal kürzen. Dies sollte bei der Rosskastanie vor dem Austrieb erfolgen, da sie im gleichen Jahr keine neuen Knospen bildet.

    Will man den kräftigen Frühjahrsaustrieb etwas bremsen, kann man die dickste Knospe entfernen. Aus den kleineren Knospen sind die Austriebe und Blätter meist kleiner und schwächer. So kann man auch später, wenn der Baum ein reifer Bonsai ist und die Form gehalten werden soll, halbwegs die Blattgrösse steuern.

    Ich würde den Baum durchaus noch ein paar Jahre wachsen lassen und im Frühjahr vor dem Neuaustrieb etwas in eine Baumform stutzen. Einen Rückschnitt des Stammes kann man später immer noch vornehmen. Vielleicht ist es bis dahin auch gar nicht mehr erforderlich, sofern sich bis dahin eine Baumform heraus kristalisiert hat?

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