Bewässerung von Bonsai mit PET-Flaschen

Das richtige Gießen von Bonsai ist manchmal schwieriger als man denkt.

Man kann dies in einigen Foren und Hilfeseiten fast täglich nachlesen. Blattverlust kann durch falsches Gießen verursacht werden!

Das Gießen darf man nicht einzeln betrachten.

Das Gießen ist abhängig von vielen anderen Faktoren:

  • Erdmischung
  • Düngen
  • Wetter
  • Standort
  • Pflegemöglichkeiten
  • Schalengröße
  • Gesundheitszustand der Pflanze

Das sind sicherlich nicht alle Faktoren die auf das Gießen Einfluß haben. Mit dieser Auflistung erkennt man aber schon, daß gießen nicht gleich gießen ist.

Etwas Fingerspitzengefühl gehört schon dazu. Manche reden da vom grünen Daumen. Das ist meiner Meinung nach Quatsch. Wissen kann man sich aneignen. Auch einen grünen Daumen kann man sich aneignen. Man muß es nur wollen.

Im Sommer ist es für mich manchmal schwer meine Bonsai ausreichend zu gießen.

Die Bonsai-Bäume stehen alle auf einem Westbalkon im 3. Stock. Die Westseite ist die Wetterseite. Dort kann es windig sein. Dort kann es sonnig sein. Regen fällt selten gerade von oben nach unten, sondern fällt meist im schrägen Strahl auf die Pflanzen.

Wind und Sonne lassen das Substrat im Sommer sehr schnell austrocknen. Bei Sukkulenten ist dies meist kein Thema. Die überstehen ein paar trockene Stunden locker ohne Schaden.

Bei Laubbäumen kann dies im Extremfall allerdings der sicher Trockentot bedeuten!

Die Rekordtemperatur auf unserem Balkon sind 52,9 Grad Celsius!

Meist hilft es wenn ich am Morgen und am Abend gieße. Nun hatten wir in diesem Sommer bereits einige Male über 35 Grad im Schatten. Da geht auf dem Balkon das Thermometer locker über 40 Grad. Manchmal kam es bedrohlich nahe an die 50 Grad.

In dieser heißen Phase hatten wir zum Glück Urlaub. So konnte ich 3x am Tag gießen. Das war bei einigen Bäumen auch notwendig. Obwohl der Großteil am schattigsten Platz standen, ist die Erde sehr schnell ausgetrocknet.

Aber was ist wenn ich wieder zur Arbeit gehe?

Oder sogar in Urlaub wegfahren sollte?

Bereits in einem vergangenen Urlaub ist mir trotz nachbarschaftlicher Gieß-Unterstützung mein liebster Shohin-Laubbaum-Bonsai vertrocknet.

Auf Facebook habe ich das Thema mit anderen Bonsai-Freunden diskutiert. Am einfachsten erschien mir ein Tipp einer Bonsai-Expertin.

PET-Flaschen!

Ja, Plastikflaschen worin Mineralwasser, Limos und andere Getränke abgefüllt sind.

Eine leere Flasche mit Wasser füllen und einfach ein Loch in den aufgeschraubten Deckel machen und mit dem Deckel nach unten in die Erde eines Bonsai stecken. Das Wasser läuft nur bei trockener Erde heraus.

Zum testen habe ich mir ein paar kleine PET-Mineralwasser-Flaschen gekauft. Da es heiß war, waren die 4 Flaschen auch schnell ausgetrunken.

Die Flaschen habe ich mit Wasser gefüllt. Den Verschluß wieder aufgeschraubt. Ein Loch in den Verschluß gestochen. In die Erde meiner Schwarzerle gesteckt. Abwarten.

Mist. Am nächsten Tag war die Flasche noch genauso voll wie am Abend davor. Auch über den sonnigen Tag hinweg machte die Flasche keine Anstalten weitere Wassermengen an die Erde abzugeben.

Parallel machte ich einen zweiten Versuch. Im Internet fand ich die Info, daß man ein zweites Loch machen soll. Habe ich an einer zweiten Flasche gemacht. Das Wasser war in 5 Minuten ausgelaufen.

Mist, so habe ich mir das nicht vorgestellt. Keine der beiden Methoden funktionierte.

Wieder habe ich gegoogelt. Dieses mal sehr intensiv. Erstaunlich wieviele Tipps es zu den beiden obigen Methoden gibt. Und die sollen bei den Leuten funktioniert haben? Ich zweifle daran, daß die Leute eine der beiden Methoden überhaupt selbst ausprobiert haben? Ich glaube eher die haben von irgendeiner Quelle ungeprüft abgeschrieben oder das dort gelesene weiter in der Internet-Welt verbreitet.

Ob es am Wasservolumen lag? Also an der größe der Flasche? Ich weiß es nicht. Ich habe nach längerem Suchen nur eine mir seriös erscheinende Quelle gefunden. Tonkegel für PET-Flaschen!

Es gibt auch Kunststoffkegel oder Spitzen. Aber mit diesen ist es wie nur mit der PET-Flasche. Entweder läuft das Wasser zu schnell oder kaum aus. Für meine Zwecke auch unbrauchbar.

Ich habe mir 2×3 Bewässerungskegel aus Ton von Blumat gekauft. Diese sollen in 24h ca. 200 ml Wasser an das Substrat abgeben. Das erschien mir für meine Zwecke am sinnvollsten. So große Bonsai habe ich nicht. Und mit den 0,25 l PET-Flaschen passen die auch noch in mittlere und teilweise kleine Bonsai-Bäumchen.

Bewässerungkegel aus Ton

Bewässerungkegel aus Ton

Der Tonkegel läuft konisch zu und so leicht in das Substrat steckbar. So sehen die Tonkegel aus. Die Flasche wird gefüllt. Der Tonkegel wird danach auf die Flasche gesteckt.

Bewässerungskegel aus Ton mit Wasserflaschen

Bewässerungskegel aus Ton mit Wasserflaschen

Für den ersten Test habe ich 4 Flaschen mit Wasser gefüllt und an 4 verschiedenen Bäumen eingesetzt.

Bewässerungskegel an einer Schwarzerle

Bewässerungskegel an einer Schwarzerle

Damit das ganze auch funktioniert muß man noch im Boden der Flasche ein Loch machen. Ohne Loch läuft durch die feine Poren des Ton kein Wasser in die Erde. Hier eine Flasche an der Schwarzerle.

Bewässerungskegel im Einsatz

Bewässerungskegel im Einsatz

Zwei weitere PET-Flaschen an zwei Rohlingen.

Die 250 ml haben über 2 Tage lang gehalten. Dazwischen gab es an einem Tag einen kräftigen Regen. Solange das Substrat naß war, floß kaum bis gar kein Wasser nach.

Sobald das Substrat trocken war, floß langsam frisches Wasser in das Substrat.

Wenn ich zur Arbeit gehe genau richtig. Sowohl die Wassermenge als auch der Feuchtigkeitsgrad des Substrates. Da ich einen hohen mineralischen Anteil beim Substrat verwende, trocknet dieses im Sommer auch viel schneller aus.

Für meinen Standort, Erdmischung und Gießmöglichkeiten ist die PET-Flasche mit Tonkegel die passende Ergänzung an heißen Sommertagen. So können meine Bonsai-Bäume nicht mehr vertrocknen. Sie hängen auch Abends nicht mehr die Blätter nach unten. Eine Wasserfüllung von 250 ml reicht für ca. 2 Tage.

3 Stück haben 7,95 € gekostet. Wie lange der Anschluß hält kann ich derzeit noch nicht sagen. Sicherlich wird der Kunststoffanschluß irgendwann verschleißen oder ausgeweitet sein. Allerdings brauche ich diese Bewässerung auch nur an heißen Tagen im Sommer.

Einen kleinen Nachteil hat die Methode. Durch das Loch im Flaschenboden ist das wiederbefüllen doch recht umständlich. Wenn man das Loch mit einem Finger beim befüllen mit Wasser zuhält geht es ganz gut. Etwas Übung braucht man dazu dennoch, da das Aufstecken des Tonkegel doch etwas Kraft erfordert.

Wenn man es einige Male gemacht hat, hat man aber den Bogen raus.

Für mich ist es eine einfache und günstige Ergänzung zum Gießen an heißen Sommertagen!
Mit einer 1l oder 1,5l Flasche könnte man damit sogar bis zu einer Woche die Pflanzen mit Wasser versorgen.
Bei höherem Wasserbedarf gibt es auch Tonkegel mit 300 ml in 24h.

Ein Kommentar zu Bewässerung von Bonsai mit PET-Flaschen

  1. scarelos schrieb:

    Das ist doch endlich mal ein vernünftiger Artikel voll brauchbarer und praxisnaher Tips! Vielen Dank. Ich versuche das Ganze mal mit so etwas Profanem wie meinen Balkonblumen. Hauptsache, es gibt keine Sturmböen und Stürme (derzeit hier 60 kmh), die mir die Flaschen aus der Erde reißen.

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