Moose kultivieren – Teil 4

Moose kultivieren – Teil 4

So, kommen wir nun zum letzten und für die meisten wahrscheinlich wichtigsten Teil meiner kleinen Artikelreihe, die eigentliche Anleitung zur Kultur.

Dies wird ein etwas längerer Abschnitt, welchen ich in mehrere Teile aufspalten werde.

Zum einen, welche Möglichkeiten im Internet genannt werden, um was davon zu halten ist. Zum anderen, welche Möglichkeiten sich im Hausgebrauch bewährt haben.

Über die am besten geeigneten Moosarten für die verschiedenen Standorte werde ich dann noch einen kleinen Sonderartikel verfassen. Von daher seit nicht abgeschreckt, wenn es nun ein für einen Blog recht langen Artikel gibt, er wird lehrreich und sicherlich nicht all zu trocken für euch.

Moose – Wie lege ich eine Kultur an?

Doch nun zum ersten Abschnitt und den einfacheren Dingen: Fertige Moosplatten aus den Terraristikshops.

An sich ist erst einmal nicht viel dagegen zu sagen. Es handelt sich um eine Reinkultur, welche mit verschiedenen Mitteln behandelt wurde, so daß darauf nichts anderes mehr wächst, wie Pilze, andere Samenpflanzen etc. eben alles, was die Hygiene in einem Terrarium irgendwie gefährden könnte.

Nun sehen wir aber mal die andere Seite der Medaille, wir haben hier kein Terrarium(!). Die hygienischen Mindeststandarts gelten für einen Bonsai schlicht und ergreifend nicht. Selbst wenn sich ein Pilz bilden sollte, zwar unwahrscheinlich, wie in meinen vorherigen Artikeln erläutert, aber möglich, dann wird halt großzügig ein Pilzmittel gesprüht.

Den Bonsai stört das nicht. Vielleicht betreibt ihr in dem Moment sogar noch eine kleine Prophylaxe gegen anfliegenden Mehltau o. ä.. Und falls Samen anderer Pflanzen in dem Moos sein sollten, so können diese nach der Keimung einfach entfernt werden, ohne dabei ein Mikroklima zu gefährden, in dem ihr eine Tür zu lange offen lasst. Ganz abgesehen davon, schneller wird die Mooskultivierung durch diese Platten auch nicht…

Moos nach zwei Monaten unter Glas

Entsteht Moos mit Buttermilch schneller?

So, kommen wir nun zu ein paar kleineren Gerüchten, die gerne im Internet verbreitet werden, nämlich der Kultivierung durch Zusatzstoffe.

Des öfteren ist auf diversen Plattformen zu lesen, daß Moos mit Hilfe verschiedenster Mischungen, meist Buttermilch, Bier oder Zucker, in einen Mixer geworfen werden soll, gut püriert und die ganze Pampe dann auf die Kulturstelle gegeben werden soll. Dabei sollen die Zusatzstoffe als eine Art Dünger dienen, welche das spätere Wachstum begünstigen.

Betrachten wir das mal näher. Wie wir gelernt haben, benötigen Moose nur ein Minimum an Nährstoffen zum wachsen. Diese Matschpäckchen hingegen sind vollgepackt mit diversen Nährstoffen, teilweise auch Zeug, welches die Pflanze eher behindert, wie z.B. der Alkohol aus dem Bier.

Dann geht es weiter mit einer Zerkleinerung des Mooses. Nun ja, auch wenn diese Pflanzen recht robust sind, über den Sinn und Unsinn einer Zerstückelung muss ich mich nun wirklich nicht weiter auslassen, so ich denn keine offenen Tore einrennen will…

Dann haben wir keine zusammenhängende Matte mehr, was bedeutet, daß die Moose schlechter die Feuchtigkeit halten können, da sie nicht mehr so dicht aneinander gepackt sind. Folge ist das austrocknen, wenn auch verzögert durch den Matsch, und damit das einstellen der Stoffwechselaktivitäten.

Alles keine wirklich tollen Bedingungen zur Kultur. Selbst wenn das austrocknen durch tägliches Besprühen verhindert wird, stellt das Substrat einfach einen viel besseren Nährboden für die ganzen Pilzsporen dar, welche permanent durch die Luft fliegen. Die Folge ist, daß ihr bald eine schöne Schimmellandschaft bewundern könnt, mit ein wenig Glück vielleicht noch ein oder zwei andere Pilzarten, welche sich irgendwie zu euch verirrt haben, Moose hingegen werdet ihr vergeblich suchen.

Moose aus Sporen gewinnen

So, die letzte Möglichkeit, welche im Internet auch häufig angepriesen wird, ist das Anlegen der Kultur durch Sporen. An und für sich eine vollkommen korrekte Möglichkeit. Sporen verteilt, alles schön feucht halten und nach ein wenig Wartezeit werden sich bald die ersten Mooskulturen einrichten.

Dabei nicht wundern, am Anfang sehen sämtliche Moose erst einmal aus wie ein Algenbelag, grün, formlos und ein wenig faserig. Nach etwas längerer Zeit entwickeln sich daraus aber die fertigen Moospflanzen und das auch noch in absoluter Reinkultur. Einziger Wermutstropfen dabei ist, daß man sich dumm und dusselig sucht, bis man einen Sporenständer findet und selbst wenn man diesen dann hat, sind meist zu wenige Sporen drinnen, um ordentlich die Kultur anzulegen usw.. Alles in allem eine Möglichkeit, aber mit Sicherheit die umständlichste.

Moose aus gesammelten Moosmatten

Die Möglichkeit, die ich allen wärmstens ans Herz legen möchte, ist die Methode des Sammelns und Bedeckens. Sucht euch das Moos, welches euch am ehesten zusagt, sammelt einige Stücke davon und bedeckt die gesamte freie Fläche innerhalb der Bonsaischale damit.

Zu beachten dabei ist bei Outdoors nur recht wenig. Zum einen sollte die Kultur möglichst zu feuchten Jahreszeiten angelegt werden, etwa zum beginnenden Herbst hin. Das gibt den Moos die Chance gut mit dem Substrat zu verwachsen, da bei Luftfeuchtigkeiten von über 80% das Moos seine Stoffwechselprozesse gut aufrechterhalten kann.

Zum zweiten sollte während des Bedeckens sehr viel mit Wasser gearbeitet werden, d.h., daß die einzelnen Moosstücke nach dem auflegen auf das Substrat mit Wasser abgesprüht werden sollten, so lange, bis das Moos und das Substrat richtig feucht sind. Am besten geschieht dies nicht erst zum Schluss, sondern ruhig auch öfters zwischen drinne.

Auf diese Weise werden alte Substratreste, welche sich an der Unterseite des Mooses befinden abgelöst und es entsteht eine ebenere Fläche.

Als drittes und wichtigstes, sollten die einzelnen Moosstücke so eng wie möglich aneinanderliegen. Man sollte sich nicht zieren, die Stücke an wenig aneinander zu quetschen und an den Boden anzudrücken. Durch diesen engen Kontakt ist es für die einzelnen Moosflächen später leichter miteinander zu verwachsen und so eine geschlossene Decke zu bilden.

Danach gilt es nur die Moose länger leicht feucht zu halten, was allerdings in der passenden Jahreszeit nicht sehr schwer sein sollte.

Moos am Pre-Bonsai nach einem Jahr

Von einer Kultivierung zum beginnenden Frühling ist bei Outdoors allerdings stark abzuraten. Die kleinen Moosstücke werden von vielen Vögeln gerne zum Nestbau verwendet, was dazu führt, das sie kurzerhand aus der Schale gerissen werden, meist mit einigen Teilen des Substrat oder der Bonsaiwurzeln.

Bei Indoors hingegen steht man bei einer Kultivierung vor einem kleineren Problem. Meistens stehen Indoors in vergleichsweise trockenen Umgebungen, welche nicht die Dauerfeuchtigkeit bieten, welche für ein gutes Verwachsen notwendig ist. Um sich dabei ein wenig abzuhelfen gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen kann ein feuchtigkeitsbindendes Oberflächensubstrat verwendet werden, wie Beispielsweise Lavagranulat bzw. man kann gleich den ganzen Bonsai in eine Lavaschale Pflanzen mit entsprechendem Übergang aus Granulat. Dies hält eure einzelnen Moosstücke über längere Zeit feucht und ermöglicht so ein besseres An- und Verwachsen.

Zeitgleich kann man, so der Bonsai dies verträgt, diesen so lange wie möglich dem Herbstwetter aussetzen, mit all seiner Feuchtigkeit. Zwar sollte auch danach längere Feuchtigkeitsperioden gewährt werden, allerdings nicht mehr in solch einer Intensität. Wird dies nicht beachtet, kann es durchaus vorkommen, daß das Moos unattraktive Verfärbungen erhält, welche das Gesamtbild von Bonsai und Mooskultur eher schmälern.

Bei der späteren Pflege der Kultur gibt es, neben den kleineren Dingen zur Düngung, welche bereits im Abschnitt Nachteile erwähnt wurden, nicht wirklich was zu beachten.

So lange die für die spezifische Moosart richtigen Lichtverhältnisse eingehalten werden handelt es sich quasi um einen Selbstläufer. Einzig sich evtl. entwickelnde Samenpflanzen, deren Samen in dem gesammelten Moos noch vorhanden waren sollten vorsichtig mit einer Pinzette entfernt werden, damit das ebene Bild der Reinkultur gewahrt bleibt.

So, sehr viel Information für einen Blogartikel. Beim nächsten mal geht es mit ein paar ausgewählten Moos-Arten und deren kleineren Besonderheiten weiter.

5 Kommentare zu Moose kultivieren – Teil 4

  1. thomas schrieb:

    Hei! Cooler Artikel. Das mit der Buttermilch soll ganz gut klappen für so genanntes Moos-Graffiti.

  2. Bernd schrieb:

    @ thomas

    funktioniert nicht bzw. ist nicht förderlich für die Bildung des Mooses.

    Wenn du den Artikel liest, ist es eher hemmend.

    Dennoch kann es durch Zufall gelingen. Ohne Buttermilch steigen allerdings die Chancen das gelingt 😉

  3. Giorgione schrieb:

    Mose in der Natur zu entnehmen ist problematisch, da man dort die Moosdecke zerstören kann. Solche Entnahmen sollte man auf wenige zufällige Moment beschränken, zb. wenn Moosflächen durch Naturereignisse (Wassermassen bei längeren Regengüssen) oder durch Rodungen großflächiger zerstört wurden und man da einige Batzen rumliegen sieht, von denen man sicher annehmen kann, dass sie so nicht mehr anwachsen.
    Sonst aber sollte man es wirklich nicht tun.

  4. Bernd Schmidt schrieb:

    Hallo Giorgione,

    der Autor meint auch nicht das man Moos in der Natur sammeln und damit Lebensräume stören soll.
    Man findet Moose auch oft im Garten, Mauern, Steinen, Dächern ….!
    Und diese sollte man dort nur mit Einverständnis des Eigentümers oder Besitzers entnehmen.
    Meist bilden sich bei feuchter Umgebung aber von alleine Moose auf der Substratoberfläche. Für Geduldige mit Sicherheit die biologisch vertretbarste Variante.

    LG
    Bernd

  5. Gianni Hechler schrieb:

    Ich finde den Beitrag sehr hilfreich, habe zusätzlich noch über den Topf mit den moossamen eine Plastiktüte gezogen, wächst alles super an!

    PS: Wo hast du den die Feng Shui Kröte gekauft? Finde nirgendwo solch eine schöne… für einen Bonsai wäre diese prima!
    Vielen Dank schon mal im Voraus!

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