Stammverdickung im Teichtopf oder Nudelsieb?

Wer sich bereits in diesem Bonsaiblog durchgelesen hat oder schon Grundkenntnisse hat, wird wissen das es unterschiedliche Möglichkeiten gibt möglichst schnell den Stamm eines Baumes zu einem dickeren Wachstum zu bringen.

[]Ein dicker Stamm ist eine der vielen Grundeigenschaften eines älter und reifer aussehenden Bonsai. Bereits im Artikel über Stammverdickung bei einem Bonsai habe ich auf die verschiedenen Möglichkeiten hingewiesen.

Da ich keinen Garten habe und auch kontrollierter junge Bäume und Pflanzen aufziehen möchte habe auch ich mich für die Vorkultur in einem Teichtopf entschloßen.

Der Stamm verdickt sich um so schneller, je mehr Nährstoffe der Baum erhält.
Und wie bekommt er diese?
Durch gute Düngung und viele Wurzeln.
Logisch das ein frei ausgepflanzter Baum mehr Wurzeln bilden kann, da er reichlich Platz dazu hat. Der Nachteil ist allerdings das der Baum oder die Pflanze wie wild austreibt. Eine Steuerung der Form ist in dieser Phase kaum möglich.

Also wäre da ein leicht gebremstes Wachstum der optimale Mittelweg?
Ja und da kommt der Teichtopf ins Spiel!
Irgend ein findiger Bonsaiaufzüchter hatte es einmal mit einem Nudelsieb probiert und festgestellt das dadurch der zukünftige Bonsai wesentlich schneller wächst und einen schönen dichten Wurzelballen entwickelt!

Ein Nudelsieb müßen wir nicht verwenden. Als günstige Alternative haben sich hier Teichtöpfe inzwischen durchgesetzt. Diese gibt es je nach Größe im Baumarkt für 50 €-Cent bis ein paar Euro.

Warum wächst ein Baum darin schneller als in einem geschlossenen Topf?
Voraussetzung ist natürlich auch ein durchlässiges Substrat. Die Wurzeln wachsen wie üblich bis zum Rand des Topfes. Bei einem Teichtopf erblicken sie dort Tageslicht und sterben an dieser Stelle ab. Dies fördert einen Neuaustrieb an der Wurzel. Es entsteht eine dichtere Wurzelverzweigung. Der Baum wird besser mit Nährstoffen versorgt und wächst dadurch schneller. Der Stamm verdickt durch das schnellere Wachstum ebenfalls schneller!

Wie schnell das gehen kann habe ich ja bereits an einer dreijährigen Schwarzerle gezeigt. Nach nur 1 1/2 Jahren hat sich ein prächtiger Wurzelballen gebildet. Aber auch der Stammansatz hat inzwischen schon einen beachtlichen Durchmesser erreicht.

Nebari Schwarzerle

Da ich nicht der einzige Bonsaipfleger bin der seine Bäume in Teichtöpfen vorkultiviert möchte ich hier mal ein paar kleine Bäume von Heinz Hanka vorstellen. Heinz hat mir diese frischen Fotos freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Neben seinem Hobby Bonsai hat Heinz auch noch weitere Hobbies. Er betreibt einen Blog über die Ausdauersportart Halbironman und eine Homepage über das Hobby-Heimwerker und die Fotografie.

Heinz hat auch bereits ein Interview über Bonsai gegeben. Seine Bonsai zieht er sich meist aus 2 bis 4 jährigen jungen Pflanzenmaterial. So kultiviert er diese meist die ersten Jahre in einem Teichtopf.

[ad#co-1]Heinz hat mir ein paar Fotos einiger seiner Teichtopf-Kulturen zur Verfügung gestellt. In den nächsten Tagen werde ich euch diese angehenden Bonsai-Bäume vorstellen.

Ich denke so könnte es ganz anschaulich werden was durch die Kultur in einem Teichtopf möglich ist?

Die Bäume werden alle seit etwa 2 Jahren im Teichtopf kultiviert und sind 2 bis 4 Jahre alt.

  • Cornus mas – Kornelkirsche
  • Acer campestre – Feldahorn
  • Acer ginnala – Feuerahorn
  • Carpinus betulus – Hainbuche
  • Euonymus europaeus – Pfaffenhütchen
  • Malus – Zierapfel „Prof Sprenger“

Über Bernd

Bei der Beschäftigung mit Bonsai kann ich entspannen und abschalten. Auf diesem Blog möchte ich Anfängern mein bescheidenes Grundwissen über Bonsai verständlich rüber bringen.

7 Kommentare zu Stammverdickung im Teichtopf oder Nudelsieb?

  1. engelchen schrieb:

    Das müsste doch eigentlich auch im Aussenbereich mit Bäumen gehen, wenn man diese anfangs in Teichtöpfen oder auch in Töpfen mehr Dünger gibt.So kann man die Bäume anfangs doch auch viel besser kontrollieren, werde ich doch mal ausprobieren, nur wie oft müsste man dann umtopfen*grübel. Wenn man den Baum als drei jährigen auspflanzt , wäre ein jährliches Umtopfen doch sicher nicht verkehrt.Werde mal testen 😉

  2. Bernd schrieb:

    Nichts anderes macht Heinz und ich ebenfalls. Bei Heinz stehen die Bäum(chen) in den Teichtöpfen im Garten und bei mir mangels Garten auf dem Balkon.
    Gedünkt wird in der Vegetationszeit kräftig, damit die Kleinen schnell wachsen.

    In den ersten Jahren ist jährliches umtopfen notwendig. Ist aber auch von der Baumart abhängig.

  3. mar schrieb:

    Ich würde mich über einen Tipp freuen, wo man billig Teichtöpfe beziehen kann, da ich im Internet auf sehr teuere Angebote gestoßen bin und im Text oben von 50 cent die Rede ist.
    Danke schonmal.

    Und beste Grüße an diese sehr informative Seite.

  4. Bernd schrieb:

    @ mar
    Suche mal über Teichkorb. Habe da auf Anhieb bei teich-center.com Teichkörbe ab 0,59 € / Stück gefunden.
    Gibt es aber normalerweise in fast jeden Pflanzenmarkt oder Baumarkt zu ähnlichen Preisen und versandkostenfrei.

  5. mar schrieb:

    @Bernd

    Vielen Dank für die schnelle Antwort und die guten Tipps!!

    Beste Grüße

  6. Kai schrieb:

    Vielen Dank für die Hilfe!
    Zwei Fragen habe ich:
    1. Wie bringt man die Pflanzen im Teichtopf über den Winter?
    2. Was für Erde/Substrat verwendet man am besten?

  7. Bernd schrieb:

    Hallo Kai,
    sowohl Überwinterung als auch die Substratmischung hängt in erster Linie von der Pflanzenart ab.
    Überwinterung wie bei jedem Bonsai in einer Schale.
    Substrat wie bereits oben geschrieben, etwas gröber als sonst.
    Dadurch kommt mehr Sauerstoff an die Wurzel, was das Wachstum fördert.
    Für Outdoor-Bonsai verwende ich eine Mischung aus mineralischen Bestandteilen wie Bimskies und Lava. Diese werden mit organischen Substrat wie Torf oder Anzuchterde gemischt. Das Mischungsverhältnis ist von der Pflanzenart abhängig. Aber auch das Gießverhalten und die Art der Düngung spielt bei der Mischung des Substrates eine Rolle.
    LG
    Bernd

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