Doping für den Bonsai? – Ein kleiner Exkurs über Phytohormone

Hallo alle zusammen. Nach nun längerer Zeit, in der ich durch die Uni, den Job und andere Dinge ein wenig eingespannt war, gibt es nun von meiner Seite aus einen kleineren Artikel über Phytohormone.

[]Zunächst erst einmal ein kleines Vorwort, bevor ich einen kurzen Umriss um die wichtigsten Phytohormone gebe.

Mit das wichtigste dürfte sein, daß Hormone generell nicht Wirkspezifisch sind, sondern Ortsspezifisch. Was heißt das nun? Recht einfach erklärt bedeutet dies, daß ein Hormon keine generelle Wirkung hat, welche unumstößlich und immer gleich ist, sondern diese immer vom Ort des Geschehens abhängig ist.

Als zweiter wichtiger Punkt gilt es zu erwähnen, daß eine Hormonwirkung auch abhängig von der gegebenen Menge des Hormons ist. So kann ein und das selbe Hormon im selben Gewebe zu zwei vollkommen unterschiedlichen Reaktionen führen, welche im schlimmsten Fall die exakt gegenteilige Wirkung ist, welche eigentlich gewünscht war. Nicht immer hilft viel auch viel.

Rhododendron indicum Bonsai

Der Rest des Artikels mag nun ein wenig tabellarisch erscheinen, allerdings fällt mir persönlich leider gerade kein besserer Weg ein, euch das Wissen besser zu vermitteln. Der Einfachheit halber beschreibe ich hier, bis auf wenige Ausnahmen, nur die eigentliche und auch gewünschte Wirkung, so wie den natürlichen Entstehungsort und den Übertragungsweg. Die genauere Dosierung ist abhängig von der jeweiligen Pflanze, der Art, Größe etc. und muss demnach auch entsprechend angepasst werden, weswegen ich hier keine allgemeingültige Aussage für jedes Hormon geben kann. Außerdem beschränke ich mich hierbei nur auf die Hormone, welche für die Bonsaizucht förderlich sind.

1. Auxin:

Entstehungsort: Im Apikalmeristem, jungen Blättern und Samen

Wirkung: Zellwachstum durch Streckung, Organentwicklung und Platzierung, Gefäßzelldiferenzierung, Sproß- und Wurzellängenwachstum

Transport: Durch das Grundgewebe, niemals durch die Leitgewebe

Überdosierung: Herbizide Wirkung (Bsp. Agent Orange)

2. Cytokine:

Entstehungsort: Wurzeln

Wirkung: Verstärktes Wurzelwachstum, verlangsamte Seneszenz (Alterungsprozesse), verstärktes Sproß- und Blattwachstum

Transport: Durch das Xylem (= Holzteil bei höheren Pflanzen, der aus einem holzigen komplexen Leitgewebe besteht)

Sonderanmerkung: Trotz der scheinbar ähnlichen Wirkung von Cytokinen und Auxin, sind diese zueinander antagonistisch. Während Auxin die Zellstreckung begünstigt, verstärken Cytokine die Zellteilung und -differenzierung

3. Gibberiline

Entstehungsort: Cytoplasma heranwachsender Organe

Wirkung: Sproßwachstum, Blühinduktion, Förderung der Samenkeimung

Transport: Durch das Xylem (= Holzteil bei höheren Pflanzen, der aus einem holzigen komplexen Leitgewebe besteht)

Sonderanmerkung: Kommerzieller Einsatz bei langsam wachsenden Pflanzen und in Kombination mit Auxin zur Züchtung steriler Früchte, da die Kombination beider Hormone zwar die Fruchtfleischreifung vorantreibt, allerdings zu lasten der Samenentwicklung

4. Ethylen (Ethen)

Entstehungsort: Hauptsächlich in heranreifenden Früchten, prinzipiell allerdings in sämtlichen Geweben

Wirkung: Sproßverdickung, Fruchtreifung/-fall, Blattalterung/ -fall, Förderung von Samenkeimung und Blütenentwicklung

Transport: Als Vorstufen durch die Leitgewebe, hauptsächlich allerdings gasförmig über die Stomata

Sonderanmerkung: Kommerzieller Einsatz zur Fruchtreifung, gasförmig, antagonistisch zu Auxin und Cytokin

[ad#co-1]Es gibt noch eine Vielzahl weiterer Hormone, welche sich allerdings nicht für die Zucht und Kultivierung von Bonsais direkt eigenen würden, da meist vorher bestimmte Bedingungen erfüllt sein müssen, damit eine positive Wirkung zu erwarten wäre, wie z.B. ein vorheriger Pathogenbefall oder Ähnliches. Ein sparsamer Einsatz der oben genannten Stoffe allerdings sollte einem das Leben schon sehr erleichtern. Allerdings gilt es natürlich zu beachten, daß ein dauerhafter Einsatz von Hormonen, vor allem durch einen Laien, eine eher nachteilige Wirkung auf die Pflanze hat, weswegen ich noch einmal betonen möchte, diese wirklich nur äußerst selten und nur unter Beachtung der korrekten Dosierung zu verwenden.

6 Kommentare zu Doping für den Bonsai? – Ein kleiner Exkurs über Phytohormone

  1. Bernd schrieb:

    Hallo Vincent,
    was kosten solche Phytohormone und wo bekommt man diese?

    MFG
    Bernd

  2. Vincent schrieb:

    Manche Hormonpräparate bekommst du bei Bonsaihändlern. Meist allerdings nur Auxinpräparate zur Bewurzlung von Stecklingen. Was ich gefunden hatte, war bei http://www.bonsai.de die „Rainbow Hormone“ als Produktbeispiel für 1,80€ pro 33ml. Über die Qualität kann ich allerdings leider nichts sagen, da ich mit diesem Produkt noch keine Erfahrung gesammelt habe.

  3. Bernd schrieb:

    @ Vincent
    Danke für die Info. Darüber wird ja in deutschen Bonsaiforen sehr konträr diskutiert.

    Die einen sind überzeugt, die anderen halten es für Geldverschwendung.

    Ist aber auch schwierig einzuschätzen, da der japanische Hersteller scheinbar ein Patent drauf hat und somit die Inhaltsstoffe nicht detailiert angibt.

    Ich belasse es wohl bei der gewohnten Düngung.

    MFG
    Bernd

  4. Vincent schrieb:

    Ich persönlich halte auch nicht wirklich viel davon. Das Zusammenspiel von Hormonen ist einfach zu Komplex, als daß man daran rumspielen sollte, vor allem als Laie. Deswegen habe ich auch versucht, den Artikel so neutral wie möglich zu gestalten, damit sich jeder selber einer Meinung dazu bilden kann. Ich würde es nicht machen, da man meiner Meinung nach damit, ohne den richtigen Hintergrund, eher seine jahrelange Arbeit schneller Zerstört, als einem lieb ist.

  5. Bernd schrieb:

    @ Vincent
    da wende ich weithin manche natürlichen Zusatzstoffe an, welche ich aus meiner Kakteenzucht bereits seit einem guten Jahrzehnt einsetze. Diese kommen auch bei den Bonsai 2-3 x im Jahr, in der Wachstumsphase mit ins Gießwasser.

    Zum einen Schachtelhalm-Extrakt, welches die Zellwände stärkt. Dadurch sind die die Pflanzen resitenter gegenüber saugenden Insekten wie Spinnmilben und vielen Lausarten.

    Und Baldrian-Extrakt bei Frucht und Blütenbonsai, da dies die Blütenbildung fördern soll.

    MFG
    Bernd

  6. Vincent schrieb:

    Ich muss sagen, daß ich bisher nur normalen Dünger verwendet habe und ab und zu etwas gegen Schädlinge. Ansonsten halt eine bessere Erdmischung und Moos oben drauf. Meine Bonsais wachsen unter diesen Bedingungen eigentlich extrem gut und schnell. Was ich dises Jahr allerdings mal versuchen will, sind Kaltauszüge aus Brennessel.

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