Bonsai durch Abmoosen gestalten

Abmoosen wird von einigen Bonsaigestaltern aus unterschiedlichen Gründen eingesetzt.

Aber zuerst erklären wir den Begriff Abmoosen.

An einem Baum wird ein Rindenring entfernt. Dabei schneidet man bis in das Kambium. Dies ist wichtig, damit dadurch die Bildung von Wurzeln angeregt wird!

Damit die Wurzelbildung stärker gefördert wird, kann noch ein Metallring aus Aludraht unter der Schnittstelle gewickelt werden und so fest angezogen werden, daß der Drahtim sich eindrückt. Mit dem richtigen Mass wird die Nährstoffversorgung unterbrochen aber nicht die Wasserversorgung! Dadurch wird die Wurzelbildung angeregt. Bei zu enger Drahtung kann der obere Pflanzenbereich allerdings auch vertrocknen.

Die Schnittstelle wird unterhalb des ersten Schnittes mit Wurzelhormon behandelt. Am besten wird das Bewurzlungshormon mit Wasser angerührt und mit einem Pinsel aufgetragen. So verhindert man eine Entfernung durch das anschließende Befeuchtung mit Torfmoos.

Danach wird mit Spaghnum-Moos die Schnittstelle eingebunden. Das Moos wurde vorher mit Wasser getränkt. Danach wird das Moos in einem Kunststoffbeutel eingehüllt oder durch einen Kunststofftopf umhüllt. Die Schnittstelle sollte solange feucht gehalten werden bis sich Wurzeln gebildet haben.

Sobald sich genügend Wurzeln gebildet haben, kann darunter abgesägt werden.

Danach wird die Pflanze in einem großen Topf gepflanzt. Die jungen Wurzeln sind noch sehr empfindlich, da noch nicht verholzt. Also läßt man beim einpflanzen das Torfmoos daran und umhüllt diese mit groben Substrat. Für einen festeren Stand ist eventuell eine Fixierung des Stammes sinnvoll. Wenn sich bereits sehr viele Wurzeln gebildet haben sollten, kann eventuell auch schon das Torfmoos entfernt oder teilentfernt werden.

Nach ein bis zwei Jahren ist der verjüngte kleine Baum gut angewachsen und kann beim umtopfen auf weitere Gestaltungsmassnahmen überprüft werden.

Warum Abmoosen?

Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben.

Abmoosen kann man von normalen Bäumen oder Sträuchern um daraus kleinere Pflanzen für die Bonsaigestaltung zu gewinnen. So kommt man relativ schnell an eine mehrjährige Pflanze die bereits wie ein Bonsai aussehen kann.
Abmoosen kann man um aus einen groß gewordenen Bonsai zwei Bonsai zu machen!
Abmoosen kann man um die ungünstigen Proportionen in der Baumlänge zu verbessern.
Abmoosen kann man um einen besseren und neuen Wurzelansatz zu gestalten.

Abmoosen kann also sehr vielseitig angewendet werden.

Wie lange dauert Abmoosen?

Bei manchen Laubbäumen kann bereits nach ein bis zwei Monaten abgemoost werden. Oft dauert es aber ein paar Monate. Bei Nadelbäumen kann es auch bis zu zwei oder sogar drei Jahre dauern, bis sich die ersten Wurzeln gebildet haben.

Wann wird abgemoost?

Bei den meisten Pflanzen ist das Frühjahr am besten geeignet. In dieser Zeit haben sie am meisten Energie und können am schnellsten Wunden regenerieren und neue Wurzeln bilden.

Im Optimalfall ist ein erstes Eintopfen bis zum Spätsommer oder Herbst.

Welche Arten kann man Abmoosen?

Leider konnte ich darüber keine näheren Informationen finden.
Da wo ich Informationen erhielt, liste ich einfach die Pflanzenarten mit der mögichen Zeitspanne bis zur Wuzelbildung auf:

Wenn ihr weitere Kenntnisse oder Wissen über die Möglichkeiten des Abmossens habt, könnt ihr mir diese gerne zukommen lassen.
Es wäre sicherlich für viele Besucher sehr hilfreich zu wissen, welche Pflanzenarten sich dafür eignen und mit welcher Zeitspanne man beim Abmoosen rechnen muß?

Praktisches Beispiel von André an einer Zelkove:

Über Bernd

Bei der Beschäftigung mit Bonsai kann ich entspannen und abschalten. Auf diesem Blog möchte ich Anfängern mein bescheidenes Grundwissen über Bonsai verständlich rüber bringen.

5 Kommentare zu Bonsai durch Abmoosen gestalten

  1. Vincent schrieb:

    Ein sehr schöner Beitrag. Gibt mir schon wieder sehr viele Ideen, für die Gestaltung. Momentan habe ich eine kleine Experimental-Hainbuche, bei welcher ich schon einen extremen Wurzelschnitt gemacht hatte. Hatte sich sehr gut erholt. Jetzt versuche ich damit verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten, auch mit einfräsen von Figuren und ähnlichem. Ich hatte dazu einige sehr schöne Beispiele im Internet gefunden. Ich halte euch dann auf dem laufenden mit einem kleinen Artikel, will mir nur vorher noch überlegen, wie ich das am besten Anfange. 🙂

  2. Bernd schrieb:

    @ Vincent
    Noch schöner wäre der Beitrag mit Fotos aus der Praxis.

    Experimental-Hainbuche hört sich gut an. An fräsen habe ich bei einem meiner Hainbuchen-Rohlinge auch schon im stillen gedacht. Statt kürzen war auch schon einmal abmoosen angedacht.

    Aber das werde ich mir über den Winter noch einmal durch den Kopf gehen lassen.

    Wenn du deine erste (gelungene) Bonsai-Holzschnitzerei erfolgreich vollbracht hast, würde ich mich über ein oder auch mehr Fotos freuen!

    MFG
    Bernd

  3. Vincent schrieb:

    Ich habe mich gestern mal direkt dran gemacht. Habe auch schöne vorher – nachher – Fotos geschossen. Heute kommt das ganze noch in einen schöneren Topf und der Artikel wird fertig gemacht. 🙂
    Sollte mir für die erste Holzschnitzerei überhaupt eigentlich ganz gut gelungen sein.
    Im Übrigen, hier dann auch mal der Link zu den Bonsais, die mich dazu inspiriert haben:
    http://www.artofbonsai.org/galleries/halloween06.php

  4. Stefan schrieb:

    Wie sieht es eigentlich mit dem Abmoosen bei Kiefern aus geht das?

  5. Bernd Schmidt schrieb:

    Hallo Stefan,

    bei Kiefern ist mir nicht bekannt ob diese sich abmoosen lassen.
    Vereinzelt kann es gem. Erfahrungsberichten in Bonsaiforen gelingen, dauert aber mehrere Jahre bis sich überhaupt Wurzeln gebildet haben.

    Die meisten Abmoosversuche mit Pinus-Arten gelingen allerdings nicht.

    LG
    Bernd

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