Bonsai aus Stecklingen gestalten

Von vielen Pflanzenarten kann man auch aus Stecklingen neue Pflanze gewinnen.

Der Vorteil gegenüber einen Aussaat liegt auf der Hand.

Man spart sich ein bis mehrere Jahre, die man bei einer Aussaat verlieren würde. Ein weiterer Vorteil ist, daß man eine weitere Pflanze mit den selben Gen-Eigenschaften erhält.

Und manche Zuchtformen lassen nur durch Stecklinge vermehren, da sie keine artreine Samen bilden könnten. So werden die vielen Fächahorn-Arten ausschlieplich durch Stecklinge vermehrt!

Zwei Faktoren sind bei der Vermehrung durch Stecklinge meist die wichtigsten. Zum einen wann der Steckling geschnitten wird. Der zweite wichtige Faktor ist das passende Substrat für eine Stecklingsvermehrung.

Substrat für die Stecklingsvermehrung

Dem Substrat kommt bei der Stecklingsvermehrung eine andere Aufgabe zu als bei normaler Pflanzenkultur.

Es darf nicht zuviele Nährstoffe enthalten, da der Steckling sonst keine Lust bekommt, Wurzeln auszutreiben! Zudem sollte das Substrat möglichst keimfrei sein, damit der Steckling von Krankheiten verschont wird.

Stecklinge als Bonsai

Am einfachsten sind Torf oder Kokos-Quelltöpfe. Diese gibt es im Fachhandel.
Man kann aber auch selber eine Substrat mischen. Torf hat sich als Grundlage hervorragen bewährt. Durch Zugabe von Sandanteilen wird er lockerer, wodurch sich die Wurzeln leichte ausbreiten können. Weitere mögliche Substratbestandteile sind Perlite, Styromull, Vermiculit als auch feiner Blähton. Alle halten auch Wasser länger als herkömmliche Erde. Bei selber gemischten Substraten sollte man die Bestandteile vorher behandeln, damit sie keimfrei werden. Entweder im Beutel im Wasser abkochen oder etwa 20 – 30 Minuten im Backofen bei Temperaturen um die 200 Grad entkeimen.

Behandlung von Stecklingen

Nach dem Schneiden werden die Stecklinge mit Wurzelhormonen behandelt und in das vorbereitete Substrat gesteckt.
Danach wird gegossen, bis sich das Substrat mit Wasser vollgesaugt hat.
Anschließend werden die Stecklinge abgedeckt, damit das Wasser nicht verdunsten kann.
Hier sind selber gebaute transparente Mini-Abdeckungen durch Folie oder ein übergestülptes großer Glasbehälter denkbar.

Im Pflanzenhandel gibt es auch kleine Gewächshäuser, die hervorragend dafür geeignet sind.
Die meisten davon haben im Dach Lüftungsschlitze. Teurere Ausführungen haben sogar eine eingebaute Bodenheizung, was eine Wurzelförderungen bei vielen Stecklingen beschleunigen kann.

Stecklingsvermehrung von Laubbäumen

Die meisten Laubbäume müßen ab einer bestimmten Gestaltungsphase öfters in Form geschnitten werden. Langtriebe zerstören da meist den harmonischen Eindruck eines Bonsai. Bei solchen Rückschnitten kann man meist einfach Stecklinge gewinnen.

So auch auf dem Foto der chinesischen Ulme:

SUlme von oben

Die beste Zeit ist bei den meisten sommergrünen Laubbaum-Arten in der Wachstumszeit. Je früher im Jahr ein Steckling geschnitten wird, desto besser für den Steckling. Dies ist meist von Juni bis August.

Der Steckling sollte noch nicht zu hart, als auch nicht mehr weich am Holz sein. Um dies einschätzen zu können braucht man etwas Erfahrung. Dies hängt von der Pflanzenart und den Wachstumsverhältnissen ab.

Ob der Schnitt gerade oder schräg erfolgt spielt nach aktuellen Erkenntnissen keine Rolle. Er sollte auf jeden Fall sauber, also mit einen scharfen Werkzeug erfolgen. Ein Messer oder eine Bonsaischere sind dazu hervorragend geeignet. Am besten sollte das Schnittwerkzeug vorher mit Spiritus gereinigt werden, damit keine Keime die Schnittstelle infizieren können.

Bei vielen Baumarten ist ein Schnitt unter einem Nodium (Knoten eines Blattes) meist besser. Bei einigen Pflanzenarten bilden sich an dieser Stelle meist am schnellsten neue Wurzeln. Dies trifft allerdings nicht auf alle Pflanzenarten zu. Es ist bei keiner Pflanzenart nachteilig.

Die Länge des Stecklings richtet sich den Abstand der Nodien (Knoten). Je nach Pflanzenart ist der optimale Steckling 5 bis 15 cm lang. Die unteren Blätter werden entfernt. So läßt sich der Steckling besser stecken und man vermeidet mögliche Fäulnisprozesse.

Kopfstecklinge oder Triebstecklinge? Kopfstecklinge wachsen nach dem bewurzeln meist schneller. Ich habe bei meinen bisher wenigen Versuchen allerdings die Erfahrung gemacht, daß Kopfstecklinge auch schneller vertrocknen können. Logisch, da sie mehr Blattmasse haben, ist diese Gefahr größer. Solange der Stecklinge noch keine Wurzeln gebildet hat, besteht zumindest diese Möglichkeit.

Immergrüne Laubbäume werden anders behandelt. Dazu gehören Berberitzen, Rhododendron und Ölweiden. Bei diesen Arten erfolgt die Stecklingsvermehrung zwischen August und Oktober.

Dabei sollten die Stecklinge stärker verholzt sein als bei den laubabwerfenden Arten. Wenn über 10 Grad kultiviert wird, ist bereits über den Winter eine Bewurzelung möglich. Manche Arten brauchen aber bis in den Sommer des Folgejahres mit ihrer Bezwurzelung.

Im Gegensatz zu den laubabwerfenden Bäumen werden bei den immergrünen die Blätter nicht bzw. kaum entfernt. Dadurch ist nach der Bewurzelung ein schnelleres Waschtum möglich. Logisch, das mit vorhandenem Laub bereits mehr Photosyhntese betrieben werden kann.

Stecklingsvermehrung von Nadelbäumen

Auch Nadelbäume können durch Stecklinge vermehrt werden. Bei einigen Arten, wie Cedrus, Ginkgo biloba und Taxodium kann dies bis zu zwei Jahre lang dauern!

Bei Nadelbäumen gibt es zwei Zeiträume die sich zum schneiden von Stecklingen eignen. Von Juli bis August als auch von Oktober bis Januar sind Stecklinge erfolgsversprechend.

Stecklinge müßen an der Basis bereits stark verholzt sein. Sie werden meist nicht geschnitten, sondern gerissen, sodaß ein Teil der Basisrinde einreist. Dadurch erhält der Steckling beim stecken auch mehr Halt. Saftreiche Stecklinge sollte man nicht verwenden, da diese kaum bis gar nicht bewurzeln.

An der Basis werden die Nadeln entfernt, damit an diesen Stellen nach dem Stecken keine Fäulnis entstehen kann. Der Rest ist wie bei allen Stecklingen. Stecken, Gießen und für gespannte Luft sorgen.

Stecklinge aus dem Yoghurtbecher

Meine Oma und auch meine Mutter haben sich oft Stecklinge von Zimmerpflanzen im Yoghurtbecher gezogen.

Dies ist auch mir erfolgreich bei Stecklingen beim Ficus microcarpa gelungen. Darüber habe ich bereits vor einigen Jahren berichtet:
Ein Ficus microcapra aus einem Steckling ziehen.

Ficus Steckling im Joghurtbecher

Bei heimischen Laubbäumen hat dies bisher nicht funktioniert. Aber scheinbar geht es bei einigen Indoor-Pflanzen?
Wenn ihr mit dieser Methode ebenfalls positive Erfahrung hattet, würde ich mich über eure Hinweise sehr freuen. So könnte man eine Liste zusammenstellen, welche Pflanzen sich für welche Methode der Stecklings-Vermehrung eignen würden?

Über Bernd

Bei der Beschäftigung mit Bonsai kann ich entspannen und abschalten. Auf diesem Blog möchte ich Anfängern mein bescheidenes Grundwissen über Bonsai verständlich rüber bringen.

Ein Kommentar zu Bonsai aus Stecklingen gestalten

  1. Maverick schrieb:

    Wieder mal ein sehr interessanter Beitrag, Bernd!

    Auch ich bevorzuge die Vermehrung durch Stecklinge, da mir das Abmoosen zu kompliziert und die Aufzucht aus Samen zu langwierig ist.

    Um deinen ausführlichen Beitrag etwas zusammenzufassen…

    …hier die aus meiner Erfahrung wichtigsten Dinge:

    1. nährstoffarmes Substrat verwenden (Torf-Sand-Gemisch, Anzuchterde)

    2. keine „krautigen“ oder zu stark verholzten Triebe verwenden.

    3. für „gespannte“ Luft und gleichmäßige Wärme sorgen.

    Dann sollte es klappen.

    P.S. Für einheimische Laubbäume empfehle ich die Vermehrung duch Steckholz. Das ist die einfachste Variante.

    Gruß
    Mac

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