Bonsai aus einer Baumschulpflanze gestalten

Keine Lust und Zeit um aus Samen oder Jungpflanzen einen Bonsai zu gestalten?

Und trotzdem soll der Bonsai kein Vermögen kosten?

Eine gute Möglichkeit um in relativ kurzer Zeit zu einem guten Bonsai zu kommen ist der Kauf einer Baumschulpflanze.

Nach der klassische Reduktionsmethode schneidet man an dieser einfach alles überflüssige weg und macht so die Grundgestaltung eines Bonsai. Hört sich einfach an. Ist es allerdings für den Anfänger meist nicht!

Was ist überflüssig und was nicht?

Bei stark verzweigten Bäumen oft eine schwierige Entscheidung. Da sieht man den Bonsai vor lauter Äste kaum.

Ich habe bisher einen Versuch mit einer Baumschulpflanze gestartet. Ein vorbildliches Beispiel ist sie allerdings noch nicht, da gerade einmal ein starkes Jahr alt.
In einem Baumarkt habe ich für 1,49 € einen Cotoneaster gekauft!

Im Prinzip noch eine Jungpflanze:

Cotoneaster dammeri

Diese habe so wie sie war auf meinem Balkon überwintert. Im Frühjahr wurde das Bäumschen das erste Mal in eine grobe Grundform gebracht und einen Teichtopf umgetopft. Im Lauf des ersten Sommers hat sich der Baum prächtig entwickelt und mußte im Spätsommer etwas gestutzt werden:

Cotoneaster nach dem Formschnitt

Ich denke man kann trotz der kurzen Zeitspanne bereits erkennen wie sich langsam eine Grundform herausbildet.

Das Bäumchen wird sicherlich noch ein paar Jahre im großen Teichtopf wachsen. Sobald der Stamm an Dicke zugelegt hat, wird er in einigen Jahren in die erste Bonsaischale umgetopft. Im nächsten Frühjahr werde ich den Stamm von der Basis nach oben drahten. Er soll etwas runder wirken. Derzeit ist er für meinen Geschmack noch zu eckig.

Mein Cotoneaster ist sozusagen die Schwabenversion. Klein und billig. Deswegen braucht er auch noch ein paar Jährchen bis zum Bonsai.

Bei älteren und größeren Baumschulpflanzen kann man durchaus sofort einen Bonsai gestalten und in eine Bonsaischale umtopfen. In einigen Fachbüchern gibt es darüber einige Beispiele.

Für die Auswahl einer geeigneten Pflanze noch ein paar Kritierien die möglichst erfüllt werden sollten:

  • Nur gesund wirkende Pflanzen kaufen. Ein radikaler Rückschnitt ist ein starker Eingriff bei jeder Pflanze. Gesunde Pflanzen stecken dies am besten weg.
  • Der Stamm verjüngt sich von unten nach oben. Unten sollte er dicker als noch oben hin sein.
  • Eine reichliche Verzweigung ist Grundlage für verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten. Die ersten Äste sollten realtiv weit unten beginnen. Der erste Ast sollte in etwa auf ein Drittel der späteren Bonsai-Höhe liegen.
  • Die Pflanze hat von unten nach oben gleichmäßig viele Äste. Die unteren Äste sind dicker als die oberen.
  • Die Pflanze hat keine groben Schnittstellen oder Pfropfstellen
  • Der Wurzelansatz ist bereits sichtbar verdickt. Manche Bonsaigestalter langen mit dem Finger in die Erde um zu erfühlen ob darunter bereits dickere Wurzeln vorhanden sind. Optimal sind schräg nach aussen in die Tiefe gehende Wurzelansätze. Allerdings sind diese bei Baumschulpflanzen auch extrem selten.

Alle Kriterien wird man selten vorfinden. Manche lassen sich über die Folgejahre korrigieren. Auf jeden Fall kommt man so in relativ kurzer Zeit zu einem guten Bonsai. Auf Grund gewisser Kriterien kommt nur die persönliche Auswahl eines Baumes vor Ort in Frage. Ein Kauf über das Internet? Sorry, ein Baum ist dreidimensional und kann auf Fotos nie richtig beurteilt werden. Also bitte immer persönlich den zukünftigen Bonsai aussuchen.

Bei der Erstgestaltung ist eine gewisse Übung und Grundwissen erforderlich. Also nicht wundern wenn man den ersten Baum verunstaltet. Übung macht auch hier den Meister 😉

Über Bernd

Bei der Beschäftigung mit Bonsai kann ich entspannen und abschalten. Auf diesem Blog möchte ich Anfängern mein bescheidenes Grundwissen über Bonsai verständlich rüber bringen.

2 Kommentare zu Bonsai aus einer Baumschulpflanze gestalten

  1. Maverick schrieb:

    Hmmm,

    meine „Erfolge“ mit Baumschulpflanzen sind eher „durchwachsen“.

    Oftmals sind extreme Schnitt-, und Gestaltungsmaßnahmen nötig, um eine ungestaltete Baumschul-Pflanze in Form zu bringen. Bis die Schnittwunden verheilt sind vergehen oft mehrere Jahre.

    Deshalb schau ich mich nur noch wegen langsam wachsenden Gehölzen in der Baumschule um. Hier ist dann die Auswahl eines geeigneten Kandidaten am wichtigsten, wobei ein Vorgehen nach deiner Liste sehr sinnvoll ist.

    Gruß
    Mac

  2. Bernd schrieb:

    @ Maverick
    Zum lernen und üben sind Baumschulpflanzen ganz OK.
    Da die Pflanzen im Normalfall nicht gekürzt werden, kommen sowieso die meisten für die Bonsaigestaltung kaum in Frage. Außer man möchte ganz radikal schneiden, womit man aber die von die angesprochenen großen Schnittwunden erhält.

    Da gibt es in Deutschland für oft kaum mehr Euro auch gute bis sehr gute Pre-Bonsai und Rohlinge im Fachhandel, die oft mehr und bessere Gestaltungsmöglichkeiten bieten.

    Pflanzen die im Bonsaihandel selten oder gar nicht angeboten werden, können meist nur über Baumschulen bezogen werden.
    Welcher Bonsaifachhandel führt zum Beispiel eine gute Auswahl an Obstgehölzen? Ich meine da weniger Apfel und Zierkirschen. Selbst Schlehen die sich sehr gut zum Bonsai eignen sind im Bonsai-Fachhandel meist sehr selten zu bekommen. Da bleibt oft nur noch eine Baumschule als Bezugsmöglichkeit.

    MFG
    Bernd

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