Industriell oder handgetöpferte Bonsaischalen?

Bonsaischalen werden heute entweder von Hand getöpfert oder in einem vollautomatischen Prozess in großen Mengen produziert.

Was davon besser oder sinnvoller ist hängt in erster Linie vom Verwendungszweck ab. Um dies besser einschätzen zu können sollte man logischerweise die wesentlichen Unterschiede und Einsatzmöglichkeiten kennen.

Bonsaischalen aus industrieller Fertigung

Die meisten maschinengefertigten Bonsaischalen stammen aus China. Aber auch aus anderen asiatischen Ländern gibt es teilweise Farbriken für Bonsaischalen.

Der Hauptvorteil ist eine sehr günstige Produktion. So sind die meisten Bonsaischalen aus automatisierten Herstellungen relativ günstig zu bekommen.

Aus solch einer Produktion stammt zum Beispiel die unglasierte Bonsaischale auf dem folgenden Foto:

Zierkirsche im Herbst

Diese Schale gab es im 6er Set für 20 €. 6 unglasierte Bonsaischalen in vergleichbarer Größe und unterschiedlichen Formen. Die Schalen werden in Yixing in China in großen Mengen produziert. Diese Bonsaischalen in dieser Preisklasse werden nicht als frostfest spezifiert. Ich weiß nicht ob sie es trotzdem sind? Ich hatte in den letzten beiden Wintern zwei davon mit Hauswurzen über den ganzen Winter im Freien. Beide waren Wind und Wetter ausgesetzt. Bisher sind keine Beschädigungen erkennbar! Offenbar sind diese günstigen Bonsaischalen frostresistent? Zusichern würde ich dies allerdings nicht. Auf der anderen Seite kann man bei 4 € für solch eine 16 cm Schale auch kaum etwas kaputt machen.

Aus der gleichen Fertigungsstätte gibt es auch handgetöpferte Bonsaischalen.

Aber wir wollen ja erst die Vor- und Nachteile von Massenware beleuchten.
Auf der einen Seite sind diese Bonsaischalen sehr günstig.
Auf der anderen Seite sind es uniforme Produkte. Fast jede Schale derselben Art gleicht der anderen. Sie sind keine Unikate. Für junge Bäume im Anfangsstadium tut es sicherlich solch eine Bonsaischale. Wenn der Baum allerdings zum Bonsai reift, verlangt er regelrecht nach einer Bonsaischale die individueler zu ihm paßt. Irgendwann kommt dann der Bonsaigestalter nicht an einer handgetöpferten Künstlerschale vorbei. Mit der Reife eines Bonsai verlangt der Baum auch eine reif wirkende Bonsaischale für eine harmonische Einheit.

Industriell gefertigte Bonsaischalen sind sehr günstig, sehen aber neu und alle gleich aus. Für die erste Bonsaischale eines jungen Bonsai sind sie durchaus brauchbar. Auch als Trainingsschale setzte ich die günstigen Tonschalen gerne ein. Ton wirkt schöner als Kunststoff.

Handgetöpferte Bonsaischalen

Dies ist eine hohe Kunst. Und selbst bei den größten Meistern wird keine zweite Bonsaischale wie die erste. Aber gerade das macht den Reiz von solchen Bonsaischalen aus. Sie sind alle ein Unikat!

In Verbindung mit einem Bonsai strahlen sie Reife und Harmonie aus.

Die besten Bonsaikünstler erschaffen sogar neue Bonsaischalen die alt wirken! Durch Glasuren und andere Mischtechniken schaffen sie eine künstliche Patina die besonder mit alten und reifen Bonsai harmoniert.

Ein schönes Beispiel für eine handgetöpferte Bonsaischale mit Patina ist die auf dem folgenden Foto von Horst Heinzlreiter:

Zürgelbaum

Baum und Schale harmonieren beide und stellen beide ein hohes Alter dar. Somit ergeben sie zusammen eine reifen und harmonisch wirkenden Bonsai.

Handgetöpferte Bonsaischalen sind also Unikate die sehr eindrucksvolle Ausstrahlung besitzen könnnen. Die Bonsaischalen sollte allerdings immer nur den Charakter des Baumes unterstützen. Sie sollten nicht dominieren.

Die meisten handgetöpferten Bonsaischalen werden bei Temperaturen über 1.200 Grad gebrannt und sind somit meist frostfest.

Der größte Nachteil an solchen Werken der Töpferkunst ist ihr Preis.
Die günstigsten handgetöpferten Bonsaischalen bekommt man meist aus China.
Etwas teurer sind da meist schon Bonsaischalen aus Korea.
In Europa gibt es inwischen einige gute bis sehr gute Töpfer die hervorragende Bonsaischalen kreiren. Diese liegen meist im Preis über denen aus China und Korea.
Noch teurer sind oft die handgetöpferten Bonsaischalen aus Tokoname in Japan. Je nach Größe und Schwierigkeit kann eine Tokoname-Bonsaischale durchaus ein paar hundert Euro kosten.

Handgetöpferte Bonsaischalen von bekannten Künstlern sind fast immer Unikate und für reife und alte Bonsai ein Muß. Der hohe Preis ist oft im Verhältnis zum Wert eines wertvollen Bonsai nur ein Bruchteil.
Junge Bonsai harmonieren meist mit neu aussehenden Bonsaischalen.
Alt wirkende Bonsai harmonieren meist mit Bonsaischalen die eine Patina ausstrahlen.

Industriell oder handgetöpferte Bonsaischalen?

Für angehende oder ganz junge noch in der Entwicklung befindliche Bäume oder Bonsai verwende ich als erste Bonsaischale oft eine Industrie-Schale.
Ein reifer und alt wirkender Bonsai erhält eine handgetöpferte Bonsaischale. Wenn der Baum noch nicht so alt wirkt, erhält er eine frisch und neu wirkende Bonsaischale.
Handelt es sich um einen alten, borkigen und reifen Bonsai darf die Bonsaischale ruhig auch eine Patina ausstrahlen.

Über Bernd

Bei der Beschäftigung mit Bonsai kann ich entspannen und abschalten. Auf diesem Blog möchte ich Anfängern mein bescheidenes Grundwissen über Bonsai verständlich rüber bringen.

4 Kommentare zu Industriell oder handgetöpferte Bonsaischalen?

  1. Gisbert schrieb:

    Hallo Bernd,

    „industriell“ schreibt sich mit zwei „l“ am Ende des Wortes. 😉

    Viele Grüße
    Gisbert

  2. Bernd schrieb:

    @ Gisbert

    Danke für den Hinweis.
    An dem Tag muss ich einen grammatikalischen Blackout gehabt haben?
    Ist korrigiert.

    Bernd

  3. Günter schrieb:

    Hallo Bernd, gibt es eine Adresse von wo ich dieses Schalenset beziehen kann?
    Danke, Gruß Günni

  4. Bernd Schmidt schrieb:

    Hallo Günter,

    weiß nicht welche Sets du meinst?
    Die industriell gefertigten gibt es hier:
    http://www.bonsai-als-hobby.de/links/yixing-lotus-bonsai-shop/

    LG
    Bernd

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