Orientalische Hainbuche (Carpinus orientalis) als Bonsai

Eigentlich erstaunlich, dass die orientalische Hainbuche hier in Mitteleuropa bis vor ein paar Jahren kaum bekannt war?

Walter Pall und Werner M. Busch waren wohl die ersten im deutschen Sprachraum, welche diese Hainbuchen-Art bekannter gemacht haben?

In ihrer Heimat wächst sie meist als Busch. Frei wachsend wird die Pflanze maximal bis zu 14 Meter hoch. Da sie meist auf kargen Böden oder als Viehfutter dient, erreicht sie aber selten solch eine Höhe.

Oft ist es eine Pionierpflanze an kargen, windigen und steinigen Regionen.

Für Schafe und Ziegen ist sie auch eine Futterpflanze.

Der Tierverbiss macht der Pflanzen nichts aus. Sie treibt danach einfach neu aus.

Die Frostverträglichkeit wird mit mindestens Minus 20 Grad angegeben.

Alles Kriterien, welche positiv für eine Bonsaigestaltung sind.

Vorkommen:
Südosteuropa und Vorderasien.

Blatt:
Kleine eiförmige und elliptische grüne Blätter. Ca. 5 cm lang und ca. 2,5 cm breit. Der Blattrand ist doppelt gesägt. Die Blattunterseite ist leicht behaart.

Rinde:
Graue Borke im Alter können längs Risse entstehen.

Winter:
Die Winterhärte wird mit über Minus 20 Grad angegeben. Dennoch sollte man bei Temperaturen unter Minus 10 Grad, die Pflanze zusätzlich schützen, da sie sonst im Frühjahr spät austreibt.

Bonsaieignung:
Sehr schnittverträglich. Kleine Blätter. Winterhart. Optimal zur Bonsaigestaltung geeignet.

Beschaffung:
Derzeit noch schwierig. Mir sind in Deutschland derzeit nur zwei Bezugsmöglichkeiten bekannt. Walter Pall hat eine gute Auswahl verschiedener Yamadori aus Kroatien. Werner M. Busch soll inzwischen auch eine große Auswahl an Orientalischen Hainbuchen im Sortiment haben.

Standort:
Sonnig bis halbschattig. Im Hochsommer sollte der Standort halbschattig sein, damit das Substrat nicht völlig austrocknet, was zu braunen Blatträndern führen könnte.

Carpinus orientalis

Carpinus orientalis

Giessen und Düngen:
Während der Wachstumszeit gleichmässig feucht halten um ein gutes Wachstum zu gewährleisten. Trockenphasen werden toleriert, dadurch kommt das Wachstum allerdings ins stocken. Kalkhaltiges Wasser wird gut vertragen.

Während der Wachstumszeit kräftig düngen. Am besten mit organischen Dünger.

Substrat:
1 Teile Akadama, 1 Teile Anzuchterde, 1 Teil mineralisches Substrat wie Lavalit oder Bimskies.

Umtopfen:
Je nach Alter des Baumes zwischen 1 und 5 Jahren. Der Wurzelballen kann dabei um bis zu 2/3 seines Gesamtvolumens zurück geschnitten werden. So erreicht man relativ schnell einen flachen Wurzelballen. Die Hainbuche lebt in Symbiose mit Mykorrhiza. Einem Pilz der die Nährstoffaufnahme der Pflanze verbessert. Beim umtopfen am besten alte Erde mit weißen Punkten (Mykorrhiza) an der Pflanze belassen. So kann sie sich vom umtopfen schneller erholen und wächst auch kräftiger.

Gestaltung:
Die Hainbuche ist für alle japanische Stilformen geeignet. Auf Grund der dünnen Äste ist diese Hainbuche auch sehr gut zur Gestaltung als Shohin-Bonsai geeignet. Aufrechte Formen, geneigte Form als auch Kaskadenformen sind hier leicht möglich.

Rückschnitt:
Wird bei den Äste eine Verdickung gewünscht, lässt man die Triebe bis etwa 20 cm wachsen, bevor sie zurück geschnitten werden. Bei bereits entwickelten Bonsai kann auch schon vorher zurück geschnitten. Durch pinzieren ist relativ schnell eine sehr feine Verweigung realisierbar.

Orientalische Hainbuche (Carpinus orientalis)

Orientalische Hainbuche (Carpinus orientalis)

Drahten:

Ein bis zweijährige Äste lassen sich noch gut biegen.

Da im Juni das Dickenwachstum sehr stark ist sollte man den Draht immer beobachten damit es keine Druckstellen in der Rinde gibt.

Gedrahtet wird vom Austrieb bis in den August.

Ältere Äste werden besser mit Spanndrähten geformt.

Schädlinge und Krankheiten:

Saugende Insekten wie Spinnmilben, Gallmilben, Blattläuse …

Echter Mehltau ist durch einen weißlichen Belag auf den Blättern erkennbar. Das Laub wird im Spätherbst vernichtet. Im Frühjahr erfolgt mit geeigneten Fungizid eine mehrmalige Spritzung.

Blattbräune kann mehrere Ursachen haben. Zu sonniger Stand in Verbindung mit trockenem Substrat oder ein Pilz.

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