Winterarbeit an einer Hainbuche

Derzeit pflege ich 3 Hainbuchen auf meinem Balkon. Keine davon würde ich derzeit als Bonsai bezeichnen.

Eine davon, die älteste, habe ich vor 2 Jahren radikal gekürzt. Selbst nach einigen Jahren gefiel mir der Baum überhaupt nicht. Einige größere Schnittstellen sahen scheußlich aus.

Aber auch meine bisherigen Gestaltungsversuche waren nicht besonders erfolgreich. Irgendwie waren meine bisherigen Gestaltungsgedanken nicht so das gelbe vom Ei. Der Baum zeigte mir bisher nicht wo der Weg hin gehen könnte. Oder ich erkannte seine Zeichen einfach nicht?

Deswegen entschloß ich mich den Baum radikal zu kürzen. Alles was auf mich unharmonisch wirkte, habe ich entfernt.

Kurzer Baumstamm einer Hainbuche

Kurzer Baumstamm einer Hainbuche

Das war im Juni 2014. Anfang 2015 erfolgte der erste Rückschnitt des Neuaustriebes. Die restlichen Äste wurden in Form gedrahtet.

2. Hainbuche im Juni 2015 nach dem Rückschnitt

2. Hainbuche im Juni 2015 nach dem Rückschnitt

Im Juni 2015 sah die Hainbuche wieder wild aus. Jede Menge Neuaustrieb. Der 2. Rückschnitt wurde gemacht. Am Stamm gibt es immer noch reichlich große Schnittstellen. Schwer diese nachzubearbeiten. Man müßte erst die dicken Überwallungen neu aufschneiden. Vertiefungen schneiden, damit die neue Überwallung flacher wird dadurch irgendwann keine Schnittstellen mehr erkennbar wären. Da würden allerdings sehr große Schnittwunden entstehen. Das würde sehr viele Jahre dauern bis die Schnittwunden nicht mehr erkennbar wären.

Ich entschloß mich für einen anderen Weg. Totholz. Mit einem Totholbereich lassen sich viele Schnittwunden kaschieren. Die meisten Bonsai-Experten raten von Totholz an Laubbäumen ab. Ich weiß. Dennoch startete ich dieses Experiment. Dabei habe ich kein Elektrowerkzeug verwendet. Die Spuren vom Elektrowerkzeug sind leicht erkennbar und wirken auf mich nicht natürlich. Auch in Blick in das Fachbuch von Herrn Jeker bestätigte mein Vorhaben. Lieber in mehreren Schritten mit Handkraft den Totolzbereich gestalten.

Mit einem Schälmesser habe ich dann die Rinde enfernt. Danach habe ich von oben nach unten die Holzfasern gequetscht und mit einer Jin-Zange nach unten gezogen bzw. gerollt. Ein kurzer Holzbeitel war hilfreich beim aufspleisen der Fasern. Nach 2 h Arbeit war der erste Schritt zum Totholz getan.

Hainbuche #2 Ende Februar 2016

Hainbuche #2 Ende Februar 2016

Heute sah der Baum wie auf dem oberen Foto aus. Der Totholzbereich ist durch das Wetter an der Oberfäche bereits vergraut. Trotz dem 2.ten Rückschnitt gab es zum Jahresende 2015 wieder reichlichen Neuaustrieb. Das Laub hängt zum Teil noch an den Ästen.

Totholz an einer Hainbuche

Totholz an einer Hainbuche

Hier noch ein Blick auf das Totholz. Oben am Stammansatz sieht man noch die Bearbeitungen. Vorne am Stamm haben sich durch das Abziehen der Holzfasern ganz feine Strukturen ergeben. Die Totholzarbeiten sind für mich noch nicht beendet. Das war sozusagen ein erster Test. Er lief besser als ich es erwartet habe. Bereits nach einem halben Jahr sehen einige Bereich recht natürlich aus.

Hainbuche entlaubt und zurück geschnitten

Hainbuche entlaubt und zurück geschnitten

Das alte Laub wurde entfernt. Die Äste wurden mit Draht in die gewünschte Stellung gebracht.  Ob das mal die Vorderseite werden könnte, weiß ich noch nicht.

Äste der Hainbuche gedrahtet

Äste der Hainbuche gedrahtet

Auch so könnte ich mir die Vorderseite vorstellten?

Möglicher zukünftiger Totholzbereich eingeizeichnet

Möglicher zukünftiger Totholzbereich eingeizeichnet

Der Totholzbereich soll in diesem Jahr noch nach unten verlängert werden. Auf dem Foto habe ich es mal grob eingezeichnet. So daß zwei weitere Schnittwunden verschwinden.

Auf der anderen Seite ist auch noch eine sehr große knubbelige Schnittwunde. Dort wird es kein Totholz geben. Dennoch werde ich diese im Frühjahr bearbeiten müßen. Der Baum soll ja irgendwann auch von hinten gut aussehen.

Wenn der Totholzbereich meinen Vorstellungen entspricht wird er mit Holzhärter behandelt. Der ist transparent und verändert die Patina des Holzes nicht. Er konserviert sozusagen das tote Holz. Diese Versiegelung muß alle 1-2 Jahre wiederholt werden, da der Holzhärter nicht ewig hält.

Für mich wirkt diese Methode wesentlich natürlicher als die Behandlung mit Jin-Mittel, welches das tote Holze sehr hell bleicht.

Ach ja, das Holz von Hainbuchen ist das härteste unserer heimischen Baumarten. Es ist wirklich sehr mühsam per Hand Totholz an einer Hainbuche zu bearbeiten. Das abziehen der Holzfasern geht allerdings sehr gut, da das Holz sehr faserig ist. Die Fasern sind sehr fein.

Nun kann der Frühling kommen 😉

2 Kommentare zu Winterarbeit an einer Hainbuche

  1. Oscar schrieb:

    Hallo Bernd,

    ich habe bis heute nicht verstanden wieso du die einst „schöne“ Hainbuche so radikal gekürzt hast?

  2. Bernd Schmidt schrieb:

    Hallo Oscar,

    in meinen Augen war diese Hainbuche nie schön. Zuviele und zu große Schnittwunden. Unharmonische Aststruktur. Das einzig gute war der Wurzelansatz. Wobei der auch leichte Mängel hat. Die sieht man aber nicht, da sie in der Erde versteckt sind 😉

    Die Schnittwunden wird man noch Jahrzehnten sehen, weil sie nach dem Schnitt nie richtig nachbearbeitet wurden.

    Mit alle den unharmonischen Punkten erschien mir ein Neuaufbau am sinnvollsten. Vor allem dürfte der schneller realisierbar sein.

    Radikaler Rückschnitt. Abwarten was der Baum austreibt. Mein Wunsch waren 3 neue Hauptäste als Gabelung vom Stamm. Hat nicht geklappt. Der Baum brachte nur 2 neue Hauptäste. Ist aber auch nicht so schlimm. Damit kann man dem Baum genauso weiter aufbauen. Damit diese schnell dick werden, lasse ich sie bis in den Sommer durchwachsen. Erst dann erfolgt der erste Rückschnitt. Danach gibt es noch einmal einen Neuaustrieb, der erst im Winter noch einmal überarbeitet wird. Das mache ich nun solange, bis die Hauptäste die gewünschte Dicke erreicht haben.
    Danach wird die Feinverzweigung aufgebaut.

    Die große Schnittstelle habe ich im letzten Jahre angefangen mit Schneidwerkzeug zu bearbeiten. Wie bereits geschrieben, geht diese Arbeit noch weiter. Das Totholz simuliert einen Stammbruch durch Wind oder Blitz. Durch das abziehen der Rinde, habe ich 2 große Schnittstellen bzw. Knubbel beseitigt. Auf der Rückseite gibt es noch 1 oder 2 Knubbel. Aber die lasse ich erst einmal.

    In 5 – 10 Jahren wird es ein toller Bonsai sein.
    Jetzt braucht man noch sehr viel Fantasie um sich die Zukunft vorstellen zu können 😉

    LG
    Bernd

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